Artikel von E.F.

#31 von Jurek , 04.10.2009 15:36

Lehrte Jesus die Naherwartung seiner Wiederkunft?

Hin und wieder kann man hören, dass die Auffassung vertreten wird, Jesus habe im Zusammenhang mit den Aussagen über seine Wiederkunft eine Naherwartung gelehrt, die sich als Irrtum herausgestellt habe; als Folge davon seien die ersten Christen genötigt gewesen, im Verlauf des ersten Jahrhunderts ihre Lehre und damit auch ihre Einstellung innerhalb der Gesellschaft zu verändern. Auf jeden Fall habe sich Jesus in seiner unter den Jüngern bewirkten Erwartung geirrt.

Ich möchte zu dieser Frage hier einfach einige Gedanken äußern – nicht in dogmatischem Sinne, sondern als Anregungen zum Nachsinnen und Nachforschen –, Gedanken, die mir beim Lesen der Worte Jesu gekommen sind.

Fest steht: es gab im ersten Jahrhundert eine Naherwartung (Joh. 21:23), und Paulus musste schon in seinen frühesten Briefen an eine Versammlung, die er selbst gegründet hatte, einer solchen Erwartung entgegentreten (1.Thess. 4:16-17 und 2. Thess. 2:2-10). Fest steht auch, dass Jesus jeden Versuch einer Berechnung oder Datierung seiner Wiederkunft zurückgewiesen hat (Matth. 24:36; Mark. 13:32; Apg. 1:7); ja man kann sagen, dass wer auch immer durch chronologische Berechnungen diesen Zeitpunkt zu ermitteln sucht und ihn dann noch als Glaubenswahrheit verkündet, den Boden der Nachfolge Jesu entschieden verlassen hat. Er wäre Gottes Ablauf der Dinge ‘vorausgeeilt’!

Hat Jesus die Naherwartung seiner Wiederkunft gelehrt? Verkündete er nicht, das Königreich sei nahe herbeigekommen? Predigten das nicht auch seine Jünger? Die Tatsache, dass er in Matthäus 4:17 und Markus 1:15 davon sprach, das Königreich sei nahe herbeigekommen, wurde schon von vielen Kommentatoren erklärt; Jesus sprach hier nicht von seiner Wiederkunft, sondern von seinem damaligen Kommen, durch welches den Juden der lang erwartete Messias und künftige König ‘angeboten’ wurde.

Wenn Jesus auch nicht ‘Tag und Stunde’ oder den genauen Zeitpunkt seiner Wiederkunft kannte, sollte man nicht dennoch annehmen, dass er eine gewisse Vorstellung davon hatte, ob das Ereignis in naher oder fernerer Zukunft zu erwarten sei? Hat er hier keine Andeutungen gemacht?
Schon die benannten Zeichen der Zeit, die Jesus gemäß Matthäus 24, Markus 13 und Lukas 21 als Antwort auf Fragen der Jünger angab, lassen erkennen, dass eine Naherwartung eigentlich dem angekündigten Ablauf der Geschichte widersprechen würde. Die dort genannten Ereignisse benötigten Zeit, und nicht wenig Zeit! Auch in anderen Texten und Gleichnissen deutet Jesus auf eine Zeit von unbestimmter, aber doch längerer Dauer hin (Matth. 13:24-33; 18:15-35; 19:28; 21:43; 23:32,39; 25:19 und andere mehr). Zu diesen Ereignissen gehört unter anderem der Aufbau seiner Versammlung, seines Leibes gemäß Matthäus 16:18.

Auch der Text in 2.Petrus 3:3-4 ist kein Beweis dafür, dass sich Spötter über eine Naherwartung der damaligen Christen lustig machten, denn solche Spötter gab es zu allen Zeiten, auch heute, und sie spotten über die Hoffnung der Wiederkunft ganz grundsätzlich. Petrus tritt solchen Spöttern entgegen und weist damit die Leser darauf hin, dass man sich nicht auf Berechnungen und Vermutungen nach menschlichen Maßstäben einlassen dürfe, da bei Gott ganz andere Zeitmaßstäbe gelten. Er will zeigen, welche Einstellung der Enderwartung gegenüber allein angebracht ist. Er will zur Wachsamkeit und steten Bereitschaft mahnen, um nicht, weil die Wiederkunft Jesu noch in der geschichtlichen Zukunft liegt, der Gefahr anheimzufallen, glaubensmäßig durch das Alltagsleben ‘erstickt’ zu werden.

Genau in gleicher Weise hatte auch Jesus gesprochen; trotz oder sogar wegen der angedeuteten Ferne der Wiederkunft war es erforderlich, die glaubensmäßige Wachsamkeit der Jünger zu stärken (Mark. 13:35,37). Er erklärte auch immer wieder, dass sein Tag der Wiederkunft käme wie ein Dieb in der Nacht. Gerade weil dieser Tag nicht ‘um die Ecke’ lag, war die Ermahnung wichtig, in der Erwartung nicht nachzulassen, nicht ‘einzuschlafen’, die Aufmerksamkeit, ja die Erwartung selbst nicht zu verlieren. Die Einstellung der Gläubigen hinsichtlich der Wiederkunft war wichtig, und das zu allen Zeiten! Auch in dem Gleichnis von dem ‘treuen und verständigen Sklaven’ gemäß Matthäus 24: 42-47 wird deutlich, dass es nicht auf einen berechneten Zeitpunkt, sondern auf die Einstellung des Knechtes ankommt; er sollte jederzeit für die Rückkehr seines Herrn gerüstet sein, denn zu keiner Zeit würde er im voraus wissen, wann sein Herr kommen würde.

Die Mahnungen Jesu in diesem Gleichnis wie auch in anderen (z.B. Matth. 25:5) sollen also dazu aufrufen, in der steten Bereitschaft und Wachsamkeit nicht nachzulassen. Den Tag einfach in eine ferne Zukunft zu verschieben – auch wenn er sich tatsächlich dort befand – könnte zur Folge haben, in dieser Bereitschaft nachzulassen. Dann käme der Herr tatsächlich ‘zu früh’ im Sinne der beiden Gleichnisse, zu früh für den Knecht wie auch für die törichten Brautjungfern, weil sie ihre Wachsamkeit verloren hatten. Dass der Tag an und für sich früh käme, wollen beide Gleichnisse gerade nicht sagen.

Als Ergebnis kann man zusammenfassen:

Jesus betont zwar die Nähe seiner Wiederkunft, dies aber nur im allgemeinen und mit sichtlicher Beziehung auf die Abwehr der für die Jünger zur Gefahr werdenden Neigung, in der steten Erwartung der Wiederkunft nachzulassen. Seine Worte sollen die Jünger stärken, sie sind aber nicht dazu bestimmt, zu einer Berechnung der Nähe oder Ferne der Wiederkunft zu ermuntern oder gar eine Berechnung des genauen Zeitpunkts zu gestatten.

Das Gleichnis in Markus 13:33-37 dient dem gleichen Zweck. Es ist eine ernste Mahnung zur Bereitschaft und Wachsamkeit, eine Warnung vor Vernachlässigung der Aufmerksamkeit. Der Zeitpunkt der Wiederkunft ist nicht bekannt, aber für die Unaufmerksamen käme er plötzlich oder schnell! Hier wird praktisch das von Paulus gewählte Bild vom ‘Dieb in der Nacht’ vorweggenommen. Jesus kannte nach seinen eigenen Worten den Tag und die Stunde seiner Wiederkunft nicht; aber die Liebe zu seinen Jüngern trieb ihn, ihnen einzuschärfen, stets nur mit der Nähe, niemals aber mit der Ferne seiner Wiederkunft zu rechnen, völlig unabhängig davon, zu welchem Zeitpunkt dieser Tag wirklich kommen würde. Das heißt, dass Hinweise auf die Nähe dieses Tages mit der Forderung zur ständigen Wachsamkeit zusammenhängen; gerade wenn dieser Zeitpunkt noch in größerer Ferne läge, wären wegen der Dringlichkeit der Wachsamkeit solche Worte Jesu für die Jünger angebracht. Betonung der Nähe und Hervorhebung der Ferne sind also hier nicht zwei sich gegenseitig ausschließende Möglichkeiten, sondern vielmehr zwei miteinander in Zusammenhang stehende Aussagereihen, die auf verschiedene Weise dem gleichen Sachverhalt Ausdruck verleihen.

Wie oben erwähnt, kündigte Jesus geschichtliche Ereignisse an (Matth. 24, Mark. 13, Luk. 21) sowie Anfechtungen und Leiden für seine Nachfolger, die aber noch nicht das Ende anzeigen würden (Matth. 24:6). Vielmehr ergäbe sich eine gefährliche Zeit des Wartens; das deutet eine verhältnismäßig große Ferne an. Auch Paulus spricht zum Beispiel in Apostelgeschichte 20:29-30 Dinge an wie Abfall und Abtrünnigkeit, alles Ereignisse, die nicht geringe Zeit in Anspruch nehmen würden.

Wenn wir die Aussagen Jesu unter der Zielrichtung der Einstellung der Christen zu seiner Wiederkunft betrachten, dann gibt es da weder Widerspruch noch zu korrigierender Irrtum. Markus 13 berechtigt uns vielmehr, die Rede Jesu dafür in Anspruch zu nehmen, dass er den Tag seiner Wiederkunft in verhältnismäßig großer Ferne sah und ihn in keiner Weise als an und für sich nah betrachtete. Die Jünger sollten sich nicht durch Anfechtungen und Leiden, durch Altern und Zeitablauf dazu verführen lassen, von der allzeit bereiten Erwartung abbringen zu lassen. Alle Worte Jesu wirken hin auf Wachsamkeit; er vernachlässigt ganz bewusst die Zeitfrage. Wichtig ist für ihn – und für uns – nicht die Zeitfrage als solche, sondern die Pflicht seiner Jünger zur Wachsamkeit und zum Ausharren in den bevorstehenden Verfolgungen und Leiden, also ihre Pflicht zur Bewahrung des Glaubens und der Gemeinschaft mit ihm.
In gleicher Weise ist der Ausdruck ‘Geschlecht’ oder ‘Generation’ nach Matthäus 24:34 nicht auf einen Zeitraum einer Generation bis zur Wiederkunft Jesu bezogen; die Kommentatoren sind sich hier weitgehend einig – und Jesus würde sich nicht innerhalb einer einzigen Ansprache mehrfach widersprechen -, dass hier entweder das jüdische Geschlecht an sich oder an das böse Menschengeschlecht im allgemeinen zu denken sei. Die Texte in Matthäus 16:28 und Markus 9:1, die zumeist auf die später folgende Verklärungsszene bezogen werden, sind dann auch in Harmonie mit obigen Ausführungen zu sehen.
Pauli Worte aus Römer 13:11, dass unser Heil jetzt näher sei als zum Zeitpunkt, an dem wir gläubig wurden, wären so gesehen eine Binsenwahrheit, da alle künftigen Ereignisse mit jedem Tag näher rücken. Doch was will er sagen? Wir wurden gläubig, und seither gehen und sehen wir der Wiederkunft Jesu entgegen. Wir schauen nicht zurück in die Finsternis, sondern haben unsere Hoffnung bei Gott und Christus, ‘hinter dem Vorhang’ (Hebr. 6:18-20), festgemacht, und so sehen wir den Schimmer des Lichts der Wiederkunft Christi am Horizont; der Tag ist nahe, weil wir ihm entgegengehen. Wie lange die Nacht noch währen wird, weiß Paulus nicht; das ist ihm auch nicht wichtig! Wichtig ist ihm allein, dass die Nacht vorgerückt ist, dass wir Kinder des Lichts sind, dass wir die Waffen des Lichts tragen und aufstehen vom Schlaf, damit wir wach seien, wenn der Tag käme. Daher gilt diese Mahnung für alle Generationen. Sie hat das gleiche Ziel wie die Worte Jesu. Die Worte sind ganz allgemein und grundsätzlich maßgebend.
Der Vers in 1.Korinther 7:29 über die ‘zusammengedrängte Zeit’ schreibt Paulus ganz bewusst den Christen seiner Zeit und bezieht ihn nicht auf Jesu Wiederkunft; es gab viele Nöte, Kämpfe und Leiden, die auf die damaligen Christen zukamen. Es war eine bedrängnisvolle Zeit, in der es sich nicht leicht leben ließ. Man musste sich sehr ausrichten auf die Dinge, welche die Zeit erforderte, und musste vieles Andere auf die Seite rücken. Doch hat der Text nichts mit der Frage der Naherwartung der Wiederkunft Jesu zu tun.

Auch Matthäus 10:23 wurde schon auf seine Wiederkunft bezogen; doch möchte ich hier erwähnen, was der große Bibelkommentar ‘The Expositor's Bible Commentary’ - ähnlich auch die Wuppertaler Studienbibel – sagt; nicht immer, wenn die Bibel vom Kommen Jesu spricht, bezieht sie sich auf sein zweites Kommen am Ende des Evangeliumszeitalters, an dem er seine Gemeinde heimholt. Sein Kommen – und damit auch das Kommen seines Reiches – geschieht in Etappen! Zuerst kam Christus, geboren unter Gesetz und dennoch schon als König angekündigt (Gal. 4:4-5; Matth. 2:2); in einer anderen Weise kam er als Ergebnis seines Todes und seiner Auferstehung in voller Autorität (Matth. 28:18). Dann spricht die Bibel natürlich von seiner Wiederkunft in Königreichsmacht. In wieder einer anderen Weise kam Jesus – ‘das Königreich ist mitten unter euch’ – zu den Juden und warnte sie vor den Folgen, wenn sie ihn als Messias verwerfen würden. In dieser Aussage wurde er von den Propheten gestützt, aber seine Warnungen waren einzigartig, weil durch sein Kommen die messianische Herrschaft gleichsam heraufdämmerte. Vor diesem Hintergrund ist Matthäus 10:23 zu sehen; der Vers kennzeichnet sein ‘Kommen’ im Gericht über das jüdische System, das er wie auch die Propheten angekündigt hatte (z.B. Matthäus 24:2), und in dessen Folge viele Dinge des Alten Bundes verschwanden, denn der Menschensohn war gekommen! Vor allem diese Auslegung gibt dem Text in Matthäus 10:23 im Zusammenhang mit dem Kontext Sinn. Jesus kündigt Verfolgung durch die Juden an (Joh. 16:1-2) in einer Zeit, als die Christen noch mit der Synagoge verbunden waren; in dieser Zeit müssten sie oft von einer Stadt in die andere fliehen, wo sie weiterhin evangelisieren würden. doch würden sie mit den Städten Israels nicht fertig werden, bis der Sohn des Menschen das Gericht über Israel kommen lassen würde, wie es sich dann im Jahre 70 ereignete.

Ganz sicher gibt es für die eine oder andere Textstelle unterschiedliche Deutungsmöglichkeiten. Doch zeigen die Ausführungen, dass Jesus keineswegs eine Lehre vertreten hat, die sich dann als Irrtum erwies. Dass die Wiederkunft immer noch aussteht, bis heute, spricht nicht gegen die Richtigkeit der Worte Jesu und schon gar nicht gegen die Erwartungshaltung und Lehre Jesu, der das Ziel verfolgte, seine Jünger und Nachfolger aller Zeiten in ihrer Wachsamkeit zu bestärken. Je mehr wir uns in die Aussagen Jesu vertiefen, desto mehr gewinnen wir ein Verständnis für den eigentlichen Sinn der biblischen Enderwartung auch in der von Jesus gelehrten und vertretenen Form und lernen sie bejahen. Es ist merkwürdig, wie die starke Betonung der Wachsamkeit durch Jesus eine solche Anziehungskraft auf Kritiker ausübte, sie als Nachweis für einen großen Irrtum Jesu zu gebrauchen, auf Personen, die häufig die biblische Botschaft nur oberflächlich oder von fern kennen. Diese Personen unterstellen Jesus eine Nah-, ja eine Nächsterwartung, die nicht nur auf uns heute als ungesund und krankhaft, als bloße Einbildung wirken muss und die daher unsere Erkenntnis des Wahrheitswertes der gesamten Botschaft Jesu gefährden müsste, sondern die auch schon zu ihrer Zeit nur als unverständlich und unverständig gewirkt haben muss.

Die Tatsache, dass die Wiederkunft Jesu noch in der Zukunft liegt, ist keine Meinungsänderung Gottes oder eine Verzögerung (2.Petr. 3:9), sondern durchaus im Einklang mit Jesu Verkündigung und Lehre.

E.F.

 
Jurek
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#32 von Jurek , 04.10.2009 15:37

Im Himmel oder auf Erden?

Viele Glaubenden hatten sich völlig auf ein irdisches Leben eingestellt; man hat aus diesem eingeflößten Verlangen sogar auf die Teilnahme am Gedächtnismahl verzichtet, entgegen dem Gebot Jesu!

Wenn man die ersten drei Kapitel des 4. Buches Mose liest – es geht dort um die Aufgabenverteilungen unter den Priestern und Leviten -, dann kann man daraus etwas ableiten, entnehmen!

1. Gottes Wort leitet uns zum Gehorsam an;

2. Nicht alle Diener Gottes haben die gleichen Aufgaben (das bestätigen ja auch die Ausführungen von Paulus über die Glieder des Leibes Christi und ihre Funktionen);

3. Gott (überhaupt) dienen zu dürfen ist eine Auszeichnung;

4. Selbst das Gebet, in dem wir uns Gott nahen, ist ein Vorrecht;

5. Gott gibt innerhalb seiner Anbeter unterschiedliche Aufträge (siehe Punkt 2.);

6. Jeder sollte bereitwillig die Aufgabe übernehmen, die ihm gegeben ist;

7. Jeder Dienst für Gott ist eine Ehre, denn er hat wie auch sein Sohn ein Anrecht auf unser Leben.

Was will ich damit sagen? Ich verstehe den tief eingewurzelten Wunsch vieler wie auch unser aller Unvermögen, sich unter dem Himmel konkret etwas vorzustellen; die Bilder der Offenbarung helfen darin nicht aus. Doch gibt es keinen Grund, sich etwas unheimlich zu fühlen; warum denn auch? Jesus sagte zu seinen Jüngern: ‘... so komme ich wieder und werde euch zu mir nehmen, damit auch ihr seid, wo ich bin.’ (Joh. 14:3). Und selbst, wenn der Zeitpunkt herannaht, an dem wir unsere Augen für eine unbestimmte Zeit schließen müssen, kann ich das tun im Gedanken: ‘ich gehe zu unserem Herrn’; und ich kann vertrauen (Psalm 23:4; 46:3).

Unser Herr, den wir kennen und auch lieben lernten (1.Kor. 16:22; 1.Petr. 1:8-9), bietet uns seine enge Gemeinschaft an! Was sollte daran unheimlich sein; eine ältere Christin - keine Zeugin – sagte einmal auf die Frage eines Zeugen, ob sie himmlische oder irdische Hoffnung habe, sie hege die Hoffnung, mit ihrem Herrn zu sein, mit ihrem Erlöser Christus, und da wäre es ihr gleich, ob das im Himmel oder auf Erden sein werde, über die dieser Christus ja herrschen soll. Ich denke darin ebenso! Jedes Glied des Leibes Christi hat seine Aufgabe, wird vom Haupt geleitet, und alle Glieder freuen sich mit, wenn es selbst dem kleinsten Glied gut geht. Ich würde dazu raten, sich nicht an eine bestimmte, in uns groß gewordene Meinung zu klammern, sondern an den Herrn Jesus Christus. Und wo immer er uns unseren Platz gewähren wird, wozu immer wir beauftragt sein werden, wir werden nicht enttäuscht werden. Tragen wir ihm unsere Vorstellungen wie auch unsere Probleme vor, und lassen wir uns von seinem Geist leiten! Wir alle wissen sehr wenig von dem, was kommen wird, aber wir wissen, dass unser Herr alles richten wird, richten im Sinne von ordnen und gestalten. Darum sollten wir einfach Zutrauen und Zuversicht haben.

E.F.

 
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#33 von Jurek , 04.10.2009 15:37

Evolution und Schöpfung

Die nachstehenden Ausführungen sind weder eine Auslegung biblischer Texte – etwa 1.Mose Kapitel 1 - noch sind sie eine naturwissenschaftliche Stellungnahme; sie sind lediglich eine Meinungsäußerung.

Das Thema Evolution und Schöpfung wird oft mit der Frage nach der Existenz Gottes in Zusammenhang gebracht; wer zu dem Schluss kommt, zum Dasein unseres Universums sei kein Schöpfer notwendig, meint oft, damit auch dessen Nichtexistenz schon bewiesen zu haben. Doch ist eine solche Folgerung weder logisch noch zwingend, sondern bestenfalls möglich.

Die Bibel lässt an ihrem Standpunkt keine Zweifel aufkommen; für sie ist Gott der Schöpfer, die Ursache aller Dinge. ‘...du hast alle Dinge erschaffen und deines Willens wegen waren sie und sind sie erschaffen worden. .... Und betet den an, der den Himmel und die Erde und das Meer und Wasserquellen gemacht hat ...’ (Offenb. 4:11; 14:7). Schon die ersten Worte der Bibel lauten: Im Anfang schuf Gott.... (1.Mose 1:1). Die Frage nach Gott, nach seiner Herkunft, seinem Ursprung, wird nicht gestellt; man würde die Ursprungsfrage ja immer nur um eine Position hinausschieben. Allerdings lesen wir auch nicht die Frage, wie sie Hoimar von Dithfurt einmal stellte: ‘warum ist nicht Nichts?’. Da ja unbezweifelbar ‘etwas ist’, nämlich unser Universum, stellte sich damals diese Frage nicht. Auch Wissenschaftler stellen nicht die Frage nach Gott (ich meine beruflich; persönlich vielleicht schon!). Die Wissenschaft arbeitet mit messbaren Größen, mit Massen, Ladungen, Geschwindigkeiten, Spin usw. Das ist ihr Forschungsbereich; über Gott kann sie nichts aussagen!

Nicht wenige Personen gehen nun aber, ausgerüstet mit mehr oder weniger umfangreichen Kenntnissen aus der Naturwissenschaft, an den biblischen Schöpfungsbericht heran und versuchen, damit seine Unzulänglichkeit, ja seine Fehlerhaftigkeit zu beweisen. Zwar sagt der Bericht:
‘Im Anfang schuf Gott...’; doch wird in keiner Weise erklärt, wie und mit welchen Mitteln Gott bei der Schöpfung vorgegangen ist. Es wird vielmehr ein großartiges Bild der Schöpfung gemalt; wenn man nun mit den Messinstrumenten der modernen Naturwissenschaft an dieses Bild herangeht, dann kommt mir das vor, als wenn ich eine Nachricht in chinesischer Schrift als sinnlos bezeichne, weil ich nur mit römischen Buchstaben an ihre Entzifferung herangehe. Zur Verdeutlichung will ich eine – wahre – Geschichte erzählen!

Der französische Enzyklopädist und Materialist (Atheist) Diderot weilte als Gast am Hof der russischen Zarin. Da die Zarin einen atheistischen Einfluss auf den Glauben ihrer Höflinge und Landsleute befürchtete, beauftragte sie den damals sehr bekannten ja hervorragendsten Mathematiker seiner Zeit, Euler, über die Existenz Gottes öffentlich mit Diderot zu debattieren. Man sagte Diderot jedoch nur, ein Mathematiker habe einen gültigen Beweis für die Existenz Gottes gefunden. Vor dem versammelten Hof und noch vor der geplanten Debatte begrüßte ihn Euler mit den in Französisch gesprochenen Worten:

a + b (hochgestellt: n)
-------- = x , donc Dieu existe (a plus b hoch n, geteilt durch n ist gleich x; also existiert Gott)
n

Algebra war für Diderot so gut wie Chinesisch, er verstand gar nicht, worum es sich handelte. Hätte er gewusst, dass Algebra eine Größensprache ist, dann hätte er sich den Satz wohl in seine Sprache übertragen lassen: ‘man kann eine Zahl x erhalten, indem man eine gewisse Anzahl gleicher Zahlen b miteinander multipliziert, das Ergebnis zu einer Zahl a addiert und das Ganze durch die Anzahl der b dividiert; was hat das mit der Existenz Gottes zu tun?’ Aber Diderot wurde vom Lampenfieber gepackt; unter dem Gekicher des Hofes verließ er fluchtartig den Hof und kehrte nach Frankreich zurück.

Was ich damit sagen will: Naturwissenschaft und Bibelbericht in 1.Mose Kapitel 1 sind zwei verschiedene Sprachen; ich kann nicht mit der ‘Grammatik’ der einen an die andere herantreten in der Hoffnung, sie zu verstehen oder sie zu widerlegen. Eindeutig ist allerdings die Aussage der Bibel: die letzte Ursache alles Seins ist Gott. Wer Gott als letzte Ursache ablehnt, muss ihn ersetzen, um die Frage ‘warum ist nicht Nichts?’ zu beantworten. Ob ich diese Ursache dann ‘Zufall’ nenne und ihn an die Stelle Gottes setze, ist eine persönliche Entscheidung; allerdings darf man diesen Zufall als Ersatzgott ebenfalls unter die Lupe nehmen, ob er denn die gestellten Fragen besser, überzeugender beantwortet als ein Schöpfer, wie ihn die Bibel schildert.

Nicht wenige Wissenschaftler und wissenschaftlich Begeisterte erkennen durchaus, dass die Bibel in ihrem Bericht eine eigene Sprache spricht; so schreibt der populärwissenschaftliche Autor F.L. Boschke in seinem Buch ‘Die Schöpfung ist noch nicht zu Ende’ schon im Vorwort: ‘In sieben Tagen, heißt es, sei die Welt erschaffen worden. Doch nur scheinbar steht hier die Heilige Schrift im Widerspruch zum Wissen der Forscher..... Denn die 7 Tage mögen nur 7 Stufen bedeuten, in denen die Entwicklung zum lebentragenden Planeten vor sich ging. In der Genesis ist für diesen ungeheuer komplizierten Prozess ohne menschliche Zeugen eben die fasslichste und genialste Form gefunden worden’. Nach über 300 Seiten der Besprechung wissenschaftlicher Ergebnisse, bis hin zur Heisenberg´schen Weltformel, sagt er dann am Schluss seines Buches: ‘Wie überaus bewundernswert bleibt dennoch jenes große Gedankengebäude, das in der Genesis vor uns errichtet wird. Es ist das Weltbild eines Menschen, der sich noch zentral auf der Erde sieht. Weltall und Erde, Licht und Finsternis, Wasser und Land, Pflanze und Tier werden einander vernünftig zugeordnet. Würden wir heute, beladen mit neuen naturwissenschaftlichen Kenntnissen, Wesentliches ändern müssen, wenn wir ein erstes Bild der Schöpfung zeichnen wollten? Wenn wir etwas ergänzen wollten, dann nur so viel, dass die Welt größer ist, dass Erde und Mensch unbedeutende Einzelheiten sind, dass mehr Demut und Bescheidenheit in das Bild gehören und mehr Dankbarkeit dem Schöpfer gegenüber, der uns die Größe seines Werkes mehr und mehr erahnen lässt...’.

Ich erinnere mich immer wieder an meinen Gymnasialdirektor – Fächer Biologie und Chemie -, der, obwohl selbst nicht Vertreter der Schöpfungslehre, immer wieder mit Erstaunen und Achtung zu sagen pflegte, es sei ihm unbegreiflich und jeder Bewunderung wert, wie man vor Jahrtausenden schon so etwas wie den Schöpfungsbericht formulieren konnte, sachlich, in der jetzt erst durch die Wissenschaft bestätigten Reihenfolge der notwendigen Gegebenheiten (Licht, Wasser und Erde, Pflanzen, dann Tiere usw.) und Geschehnisse.

Der Mediziner und Autor Peter Bamm schreibt (neben vielen ähnlichen Ausführungen): ‘Wenn man die Schöpfungsgeschichte einmal betrachtet, als ob sie eine wissenschaftliche Hypothese sei, muss man feststellen, dass sie die Forderungen, die an eine wissenschaftliche Hypothese gestellt werden, in idealer Weise erfüllt. Erklärt sie doch alle Phänomene des Lebendigen auf die vollständigste Weise und noch dazu aus einer einzigen Ursache heraus. .... Da es in diesem Rahmen für alle Dinge nur eine einzige Ursache gibt, hätten die Disziplinen der Wissenschaft keine andere Aufgabe, als die Phänomene ihres Bereiches auf diese Ursache zurückzuführen. .... Tatsächlich haben sich alle Anstrengungen der abendländischen Wissenschaft anderthalbtausend Jahre lang auf dieses Ziel gerichtet...’.

(Ich weiß natürlich, dass man auch Zitate von absolut atheistischen Wissenschaftlern anführen könnte; Tatsache ist jedoch, dass die Naturwissenschaften und ihre Ergebnisse die Fachleute auf diesen Gebieten nicht zwingend und automatisch zu Atheisten machen; wer meint, allein durch die Negierung Gottes schon ein moderner Mensch zu sein, beweist dadurch geradezu seine Unkenntnis der Moderne, soweit es die Naturwissenschaften betrifft).

Dass Peter Bamm nicht unrecht hat, wenn er als ein Ziel der Wissenschaft das Finden einer zentralen Ursache unserer Existenz ausmacht, zeigen ja auch gerade Forschungen und Ergebnisse der neuen Zeit, besonders in der Kosmologie und in der Kernphysik. Lange Zeit war in der Physik das Atom das kleinste vorstellbare Teilchen; doch gab es eben sehr unterschiedliche Atome, nicht nur eine Sorte. Inzwischen entdeckte man die Atomteilchen wie Protonen, Neutronen, Elektronen, ihre Antiteilchen, Mesonen, Neutrinos usw, ein wahrer Elementarteilchenzoo. Das war aber noch immer nicht die gemeinsame Ursache. Es ging weiter; es kamen die Quarks dazu, die Gluonen, man spricht von Gravitonen; inzwischen ist man bei den strings angelangt; strings mit unterschiedlichen Energiepackungen, die wiederum entscheidend seien, welche Elementarteilchen sich daraus bilden würden. Eine Stringtheorie entstand als Basis eines ‘eleganten Universums’.

In der Kosmologie anerkennt man schon lange, dass unser Universum einen Anfang hatte, einen Anfang von Raum und Zeit; vielleicht in einem Urknall. Doch warum kam es zu einem Urknall, zu einem Anfang; warum bildeten sich Wasserstoffatomkerne und gleichzeitig Bedingungen, die deren Fähigkeiten, sich aufzubauen zu allem, was existiert, das entsprechende Umfeld gaben? Und warum und woher hatten sie diese Fähigkeiten? Gott Zufall? Und warum hat dieser ‘Urknall’ gerade all die Merkmale erfüllt, die ein Universum ermöglichten, das wiederum die unzähligen Bedingungen erfüllen musste, um so zu werden, wie es ist. Mathematisch gesehen, ist es äußerst unwahrscheinlich, ja eigentlich unmöglich, dass wir existieren; dennoch fällt es mir schwer, an unserer Existenz zu zweifeln oder sie nur als virtuell anzusehen.

Die Bibel sagt nichts über Gottes Vorgehensweise bei der Schöpfung; der Schöpfungsbericht ist keine wissenschaftliche Darstellung von Vorgängen, sondern gleichsam eine Beschreibung in einer anderen ‘Sprache’; evolutionäre Vorgänge sind unbestreitbar; doch warum sollte Gott nicht solche evolutionären Vorgänge gebraucht, in Gang gesetzt haben? Ohne in die Gefahr geraten zu wollen, selbst die ‘Sprachen’ zu vermengen, weise ich nur darauf hin, dass es zum Beispiel heißt: ‘Und Gott sprach: die Erde bringe hervor’ oder ‘lasse sprossen’; also gab Gott der Erde die Fähigkeit, seinem Willen gemäß ‘hervorzubringen’! Wie denn? Durch Evolution? Die Bibel sagt es nicht, schließt aber offensichtlich solche Dinge auch nicht aus; wie immer die Mittel waren, so ist nach der Bibel doch Gott die letzte Ursache.

Wie steht es mit dem Gott Zufall? Er müsste ein hochintelligenter Gott sein, um überhaupt ein Universum zustande zu bringen, das all die Bedingungen und Voraussetzungen unseres eigenen erfüllt; dazu muss er noch mit einem Gesetz klarkommen, das nun wirklich im ganzen All bis hinein in die letzte Kinderstube regiert: mit dem Gesetz der Entropie. Der zweite Hauptsatz der Thermodynamik gilt universal; überall laufen Prozesse von selbst ab nur in Richtung einer Vermehrung der Entropie. Will man die Entropie verringern, vermindern, muss man Energie aufwenden, um sozusagen höher geordnete Systeme zu schaffen. Die Evolution bildet per definitionem höher geordnete Systeme. Wie überwindet Gott Zufall die Entropie?

Von dem Logos Gottes, dem Christus, sagt die Schrift: ‘Alles wurde durch dasselbe, und ohne dasselbe wurde auch nicht eines, das geworden war’ (Joh. 1:3) ‘Denn in ihm ist alles in den Himmeln und auf der Erde geschaffen worden, das Sichtbare und das Unsichtbare....alles ist durch ihn...geschaffen’(Kol. 1:16). Auch hier wird nicht gesagt, wie die Schöpfung vonstatten ging; es wird lediglich die gemeinsame Ursache alles Existierenden genannt, eine Ursache, umfassend und ausreichend.

Doch wenn ich einwende: Wunder dürfen nicht sein!? Wie steht es dann mit dem ‘Zufall’ als gemeinsamer Ursache? Ist diese Ursache umfassend und ausreichend? Ist sie als Ursache größer als das Ergebnis? Meines Erachtens ist der Zufall als Ursache ein viel größeres Glaubenswunder!
Unsere Existenz selbst und die unseres Universums, ja die Existenz jeder Galaxie bis hin zu jedem Gänseblümchen – ein Wunder des Zufalls? Ja, dann wirklich ein Wunder! Doch Wunder dürfen nicht sein in wissenschaftlichen Theorien, wurde gesagt; man nimmt sie aber ungehemmt als Grundlage des ganzen Gedankengebäudes.
Wahrlich, man muss nicht an Gott glauben; man kann auch ohne Gott leben; das beweisen täglich Millionen. Du kannst auch den Zufall in die Rolle Gottes setzen; glaube an den Gott Zufall, wenn er dir überzeugender erscheint. Doch sei Dir wenigstens Deines ‘Glaubens’ bewusst! Welcher Glaube jedoch mehr oder weniger an echter Substanz aufzuweisen hat, das muss jeder für sich selbst entscheiden!

E.F.

 
Jurek
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#34 von Jurek , 04.10.2009 15:38

Eine Tür - ein Hirte

Eines der wohl beliebtesten Kapitel in den Evangelien ist das 10. Kapitel im Evangelium des Johannes.
Johannes sagt uns ja selbst, warum er überhaupt geschrieben hat: ... damit ihr glaubt, dass Jesus der Christus ist, der Sohn Gottes, und damit ihr durch den Glauben Leben habt in seinem Namen (Joh. 20:31). Im Glauben sieht Johannes den entscheidenden, das Leben schenkenden Vorgang, im Glauben an Jesu Person und Wesen, die wir natürlich in seinem Wort und in seinen Werken erfassen. Und das ist der Inhalt des Glaubens: ‘Jesus ist Herr, ist der Christus, der Sohn Gottes!’ (Joh. 8:21-24). So ist das ganze Evangelium des Johannes ein Evangelium des Glaubens, der auf der Liebe Gottes und Jesu ruht (Joh. 3:16).

Im 10. Kapitel des Evangeliums nach Johannes ringt Jesus noch einmal ganz offen um sein Volk, zu dem er gesandt war, bekennt sich im Bild der Tür und des Hirten als der Christus. Dennoch spricht er deutliche Worte, so dass die Juden ihn am Ende sogar ergreifen und steinigen wollen. Er beginnt seine Rede in diesem Kapitel mit einem herben und unmissverständlichen Satz: ‘wer nicht durch die Tür in den Hof der Schafe hineingeht, sondern anderswo hinübersteigt, der ist ein Dieb und ein Räuber’. (Vers 1). Jesus bringt seine Bilder hier zwar aus der seinen Zuhörern gut bekannten Hirtenwelt, aber er beschreibt keine Idylle, sondern setzt die schon früher begonnene Auseinandersetzung mit den Pharisäern als den ‘Hirten’ der Juden fort. Nun spricht er über seine Sendung, Vollmacht und Größe; dies führt zur Entscheidung der Haltung zu seiner Person, damals wie auch heute bei uns! Ist Jesus nur ein großer Lehrer und Mensch, oder ist er der Herr, der Christus, der Sohn Gottes?

Jesus stellt sich den Zuhörern als der Hirte dar, der seine Schafe kennt und sie liebt, und dessen Stimme seine Schafe kennen; aber zuerst verstanden seine Zuhörer nicht, was er ihnen sagen wollte (Verse 2-6). In den hebräischen Schriften wurde oft vom Bild des Hirten gesprochen, wie z.B. in Psalm 23, und gerade die Pharisäer und Schriftgelehrten als Leiter des Volkes hätten ihn verstehen müssen. Aber wie auch aus dem 8. Kapitel des Evangeliums nach Johannes zu sehen ist, hing damals wie heute unser Hören und Verstehen nicht von unserer allgemeinen Verständigkeit, vom Verstand, ab, sondern weitgehend von unserer inneren Haltung, von unserem ‘Ich’; und hier fühlte sich dieses ‘Ich’ der Pharisäer schon im ersten Satz angegriffen. Sie, die hochangesehenen Leiter und Hüter des Volkes, sollten Diebe und Räuber sein? Das war ungeheuerlich; sie verschlossen ihr Herz. Sie meinten, sie seien durch die ‘Tür gründlicher Vorbildung im Gesetz und amtlicher Ermächtigung’ zu den Schafen Gottes hineingegangen, ganz anders als dieser Jesus selbst. Nun kam eben dieser Jesus und sagte: ich bin die Tür der Schafe... Ich bin die Tür; wenn jemand durch mich hineingeht, so wird er errettet werden ... (Verse 7-9). Jesus ist der einzig rechtmäßige und wirkliche, auch der einzig mögliche Zugang zu dem Hof, in dem die Herde Gottes gesammelt ist. Nur durch Jesus kommt man wirklich und recht zu Gottes Volk. Wer einen anderen Zugang versucht oder einen anderen Zugang anbietet, muss ein Dieb oder Räuber sein!

Es ist eine schreckliche Tatsache, dass eifrige Menschen wie diese Pharisäer und Schriftgelehrten, die durch die ‘Tür des Gesetzes’ zu den Schafen eingehen wollten, mit viel Einsatz für Gottes Volk arbeiten, sich als Hirten fühlen und dennoch Diebe und Räuber sein konnten. Nur durch Jesus kommt man wahrhaft und in rechter Weise zu den Schafen. Aber nicht eine ‘richtige Lehre über Jesus ist die ‘Tür’, sondern in Jesus selbst, in seiner Person, in seinem Wesen, in seiner Liebe ist ‘die Tür’ zu finden. Man muss in Jesus selbst hineinkommen, in Jesus leben, von ihm ‘essen’ (Joh. 6:57) und ‘trinken’ (Joh. 4:14; 7:37), um wirklich durch die Tür zu den Schafen zu gelangen. An Jesus entscheidet es sich auch, wer ein rechter Hirte ist.

Könnte das auch in den 2000 Jahren seit Jesus so gewesen sein? Gewiss! Es gab immer Menschen, welche die Schafe nicht zum Herrn, zu Jesus führten, sondern zu sich und ihren eigenen Interessen. Sie ließen die Schafe nicht auf Jesus blicken (Hebräer 12:2); er war für sie nicht die Grundlage (1.Kor. 2:2; 3:11). Sie meinten bestimmen zu können, wo die ‘Tür’ zu finden sei oder was die ‘Tür’ wäre. So gab es Leute, die behaupteten: ‘außerhalb der Kirche gibt es kein Heil’; sie machten gleichsam die Kirche zur ‘Tür’, zu einer Art ‘Arche’, obwohl diese doch nach 1.Petr. 3:21 etwas anderes bedeutet. Und viele später Kommende haben sich oder ihre Gruppierungen als die ‘Tür’ dargestellt; aber Jesus ist die Tür, er allein! Wenn dich ein Lehrer immer wieder zu Christus führt: gut! Doch wenn Christus bei ihm nur eine geringe, untergeordnete Stellung einnimmt, eine Nebenrolle spielt, dann denke daran: Jesus ist die Tür. Nur er ist der rechte Eingang. Das hat Jesus nicht einfach so bestimmt; es ist der Wille des Vaters! Jesus suchte nicht seine eigene Ehre; der Vater sucht die Ehre des Sohnes (Joh. 8:50).

In der Weiterführung seiner Rede nach Johannes 10 sagte Jesus nun, die Schafe hätten auf die anderen Hirten nicht gehört (Vers 8); doch in welcher Weise? Die Juden sind ja den Pharisäern gefolgt wie auch später Menschen so genannten christlichen Führern. Doch solche Führer, wenn sie auch beliebt sein mögen, erreichen doch die wahren Schafe nie in ihrem Innersten, nie öffnen sich ihnen die Menschen wirklich und in ihren eigentlichen Nöten und Fragen, nie werden sich die Menschen glücklich fühlen, so wie wenn sie die Stimme des guten Hirten Jesus hören, denn bei ihm hören sie die Stimme des Lebens und der Errettung. So kann man wirklich die Stimmen der Lehrer erkennen und dabei auch die Stimme Jesu heraushören. Höre auf seine Stimme! Denn nur durch ihn werden wir gerettet (Vers 9). Zur Schar der Erretteten kommen wir nur durch die einzige Tür der Errettung, die Jesus selbst ist. Es mag wohl manche Wege geben, auf denen ein Mensch bis vor die Tür kommt, viele unterschiedliche Worte und Lehren, Begebenheiten und Ereignisse, die uns in unserem Leben auf Jesus aufmerksam machten; jeder Christ hat seine persönliche Lebensgeschichte, und Gott geht mit uns sehr verschiedene Wege, wenn er uns ‘zu Jesus zieht’; aber es gibt nur eine Tür!

Wer durch Jesus eingeht, wird ‘eingehen und ausgehen und Weide finden’ (Vers 9). Jesus ist immer bei seinen Schafen, ein Leben lang! Weide zu finden ist nur durch Jesus möglich! Dies ist der Wille Jehovas, des Vaters! Jesu Werk ist einzig das Geben; und was er gibt, ist Leben! Leben im Überfluss. Denn er sagt in des Vaters Vollmacht: ‘Ich bin der gute Hirte!’ (Vers 11). Gott hatte diesen guten Hirten lange Zeit verheißen; nun hatte er ihn gesandt, und seither ist er da für jeden, der auf seine Stimme hört! Und es gab ein Kennzeichen: der gute Hirte lässt sein Leben für die Schafe! Eigentlich heißt der griechische Text: er setzt seine Seele (Psyche) ein für die Schafe; dies tat Jesus wirklich, denn er ließ nicht nur sein Leben für die Menschen, als er hingerichtet wurde, sondern er setzte auch während seiner ganzen Tätigkeit seine Seele, sich selbst, ganz und gar für die Schafe ein. Er war allezeit der gute Hirte! Nach dem Vergleich mit dem gemieteten Lohnarbeiter wiederholt Jesus noch einmal: ‘Ich bin der gute Hirte’ (Vers 14). Der gute Hirte kennt seine Schafe, und die Schafe kennen ihn, so wie er den Vater kennt und der Vater ihn. Jesus kennt uns, in all unseren Schwächen, Fehlern und Sünden; wir brauchen vor ihm nichts zu verbergen - können es auch nicht; aber wir brauchen auch nicht zu befürchten, dass er uns wegen unserer Eigenschaften und Taten, wegen unseres verdorbenen Wesens verabscheut; er hatte ja schon versprochen, dass er keinen hinausstoßen werde, der zu ihm kommt (Joh. 6:37). Wer im Glauben einer der Seinen wird, den kennt er in einer für uns unvorstellbaren Weise, in seiner Liebe, die einmal alles zurecht bringen wird. Und weil er uns ‘kennt’, ja erkannt hat, kennen wir ihn nun auch und hören seine Stimme, und zwar hören nicht nur die damals angesprochenen Schafe aus der Hürde Israels, sondern auch alle in späteren Zeiten noch hinzukommenden Schafe der ganzen Welt (Vers 16-17, 27). Er setzt sein Leben, seine Seele ein für seine Schafe; alles ruht auf seinem Opfer; er errettet die Schafe vor dem ‘Wolf’; sein ganzes Leben, Wirken, Leiden und Sterben ist Kampf mit dem ‘Wolf’ Satan und der Sieg über ihn. Und noch einmal macht er deutlich, dass dies alles wirklich der Wille des Vaters, Jehovas, ist: dieses Gebot habe ich von meinem Vater empfangen (Verse 17-18). Hier kündigt Jesus auch seine Auferstehung an; er hat die Vollmacht, seine Seele wieder zu nehmen. Wir sehen deutlich, dass der erste und dauernde Blick Jesu immer dem Vater gilt, so sehr er die Menschen auch liebt und für sie alles gibt; aber dass in allem Gott verherrlicht werde, darauf kommt es an! Und gerade weil er stets für Gottes Ehre und Verherrlichung eintrat, hat Jesus Vollmacht, ohne Beeinträchtigung der Ehre und des Rechtes Gottes, für Sünder und Gottesfeinde einzutreten und sie mit Gott zu versöhnen.

Jesus der gute Hirte, von Gott gesandt! Und er konnte in Vollmacht sagen: meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie, und sie folgen mir, und ich gebe ihnen ewiges Leben, und sie werden gewiss nicht umkommen in Ewigkeit’ (Verse 27-28). Es ist ein einzigartiger Vorgang, der sich bis heute immer neu ereignet, wenn wir das Wort Jesu wahrhaft hören und darin die Stimme unseres Herrn erkennen, die Stimme des wahren Hirten. In der Welt und auch in unserem eigenen Herzen gibt es unzählige Stimmen, die um uns werben. Dennoch! Jünger Jesu hören die Stimme des guten Hirten in ihrer Reinheit und Liebe! Und wie tröstlich ist seine Zusage! Hier ist kein ‘vielleicht, wahrscheinlich oder möglicherweise. Hier ist sein Wort in der Vollmacht des Vaters! Und warum kann Jesus dies sagen? Weil niemand - nein, niemand - die Schafe aus seiner Hand reißen wird und weil niemand imstande ist, sie aus der Hand des Vaters zu reißen! (Verse 28-29). Die beiden mächtigsten ‘Hände’, die des Vaters und die des Sohnes, halten die Schafe fest, beschirmen sie! Niemand kann sie daraus reißen! Allerdings, diese Warnung muss gesagt werden: sie halten uns nicht gegen unseren eigenen Willen fest! Wir könnten - das möge Gott verhüten - uns aus eigenem Willen aus diesen Händen lösen, zum Verderben. Wir sind nicht mechanisch festgehalten.

Auch hier ist wieder die Einheit zwischen Vater und Sohn betont und deutlich gemacht. Wir sind nicht eigentlich in zwei Händen; wir sind in der Hand des wahren Hirten; aber in diese Hand hat uns die Hand des Vaters gelegt, und dieser Vaterhand entreißt uns niemand, weil der Vater größer ist als alles. Das Geben des Vaters und das Tun des Sohnes ist ein einheitliches Handeln, das unserer ewigen Errettung dient. Wie ohne jeden Zweifel, wie kühn und unverzagt dürfen wir also glauben! Jesus sagte ja: ‘ich und der Vater sind eins’. Er sagte nicht ‘Einer’, denn sie fallen nicht in einer Person zusammen; sie bleiben zwei Personen, Vater und Sohn, die aber in vollendeter Gemeinschaft ‘eins’ sind, wobei der Vater der Gebietende, Führende und Gebende, der Sohn der Nehmende, Gehorchende und Vollziehende ist.

Jesus hat sich in den in Johannes 10 berichteten Worten nun offen dargestellt als Christus, der Sohn Gottes; er ist das Wasser des Lebens und das Licht der Welt, die Tür und der gute und wahre Hirte. Doch wie reagierten seine Zeitgenossen, sein Volk, zu dem er gekommen war? Als Lehrer und Wundertäter, als herausragend guten Menschen hätten sie ihn - wie auch viele Menschen heute - wohl angenommen; aber er hatte das Allergrößte von sich ausgesagt, was möglich war; er hatte es zwar ohne jede Anmaßung, vielmehr in der Vollmacht des Vaters gesagt, denn er besaß diese Vollmacht, und seine Werke bezeugten es. Dennoch führten sein Anspruch und seine Worte bei den meisten Zuhörern zur Ablehnung - so wie auch heute -, weil sie nicht seine Schafe waren (Vers 26). Aber das bedeutet für solche Menschen keine Entschuldigung; denn sie sind nicht seine Schafe, weil sie nicht glauben; sie wurden von Jesus wiederholt zum Glauben aufgerufen; aber in freier Entscheidung haben sie diesen Glauben verweigert, so wie das auch heute die meisten tun. Deshalb blieb damals und bleibt auch heute ihre Verantwortlichkeit auf ihnen ruhen.
Manche, die zuerst Glauben bekundeten, haben später dann - vielleicht unbewusst - versucht, die Tatsache, dass er allein die Tür ist, undeutlich zu machen, indem sie noch andere Dinge wie z.B. die Beschneidung oder andere Vorschriften - Werke - als zur Errettung notwendig bezeichneten und damit andere Menschen belasteten. Doch mit einer solchen Lehre und Haltung ‘fielen sie aus der Gnade’ (Gal. 5:4; Eph. 2:8). Denke daran: Jesus allein ist die Tür; er allein ist der gute Hirte! Es gibt keine andere Tür und keine wie auch immer gearteten ‘Zusatzpförtchen’, es gibt auch keinen anderen Hirten! Menschen, die als Hirten dienen, wie sie auch unter den ersten Christen wirkten, müssen sich nach diesem Hirten richten und ihr Tun und Reden an ihm ausrichten, sich daran auch messen lassen.

Darum lausche immer wieder, ob du die Stimme des guten Hirten vernimmst, vernehmen kannst, wo immer du Stimmen hörst, die dich beeinflussen wollen; prüfe, ob man dein Auge und dein Ohr, dein Herz und deinen Sinn auf ihn ausrichtet! Dank sei unserem himmlischen Vater für diese Tür und diesen Hirten, für seinen Sohn, unseren Erretter!

E.F.

 
Jurek
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Artikel von E.F.

#35 von Jurek , 04.10.2009 15:38

Leben als Christ

Nach Römer 12:1 sollte ein Christ seinen Leib als ein lebendiges Schlachtopfer darstellen. Doch was bedeutet das für unser tägliches Leben? Zuerst einmal müssen wir erkennen, dass wir unser Leben in dieser Welt führen und dass wir es im Fleische leben (Johannes 17:15 und Galater 2:20). Die Bibel rechtfertigt oder begründet kein asketisches oder gar mönchisches Leben. Wer sich von seinen Mitmenschen zurückzieht, folgt nicht dem Beispiel Jesu. Dieser zog sich zwar zeitweilig - oft des Nachts - zum Gebet in die Einsamkeit zurück, aber sonst war er in der Regel von Menschen umgeben (Mark 5:31; Luk. 19:4; Mark. 7:24).

Wenn wir seinem Beispiel folgen, werden wir unser Leben als Christen in dieser Welt führen, wo immer er uns hingestellt hat, sei es in Schule, Büro, Laden, Fabrik, Krankenhaus, Familie oder wo auch immer. Wir dürfen uns des Lebens auch erfreuen. Wenn jemand mürrisch, verdrießlich, verdrossen und stets jammernd durch das Leben geht, ein asketisches und puritanisches Leben fordert, dann führt er nicht das Leben, das Jesus für seine Nachfolger vorgesehen hat.

Vielmehr sollen wir uns des Lebens und auch unserer von Gott geschenkten Gaben erfreuen, ohne sie jedoch zu missbrauchen (Prediger 11:9). Wir müssen uns dieser Gaben wie Talente und Fähigkeiten, Verstand oder gutes Aussehen, nicht schämen oder sie verstecken, sondern wir dürfen Gott dafür danken und uns darüber freuen.

Dennoch sollen wir uns nicht nach dem Muster, nach den Schemata dieser Welt formen, ihr nicht gleichförmig sein, sondern durch die Erneuerung unseres Sinnes umgewandelt werden (Römer 12:2).

Das erste ist leicht zu verstehen; wir sollen nicht nach den Idealen, Methoden und Zielen dieses Systems, dieser Gesellschaft und Zivilisation leben und handeln. Denn sonst wäre unser Leben nur die Summe des Lebens der Ungläubigen.

Das zweite jedoch verlangt tieferes Nachsinnen. Wir sollen durch die Erneuerung unseres Sinnes verwandelt werden. Dazu gehören mehrere Schritte. Zuerst müssen wir die Tatsache erkennen, dass unser Sinn einer Erneuerung bedarf. Das hier gebrauchte griechische Wort für ‘Erneuerung’ kommt nur noch in Titus 3:3-5 vor: Erneuerung des Heiligen Geistes. Was bedeutet das? Wir sind als Nachkommen Adams von Gott fern; auch unser Sinn ist nicht auf Gott ausgerichtet. Doch nun sagt uns Gott, dass das Kommen des Heiligen Geistes eine Erneuerung unseres Lebens bedeutet. Wir sollen von nun an nach dem Geist leben, nicht mehr nach dem Muster der Welt. Wir sollen von der Gegenwart des Geistes des Herrn Jesus Christus geleitet werden (Galater 2:20; Römer 8:3). Wenn aber unser Sinn erneuert wurde und wird, dann sollte das auch in unserem Denken zum Ausdruck kommen, nicht in einem Katalog von Regeln und Vorschriften, sondern im Bewusstsein unserer christlichen Freiheit und in deren christlicher Anwendung.

Nehmen wir z.B. das Wort aus Römer 13:7 ‘Gebet allen, was ihnen gebührt ... dem Respekt gebührt, Respekt’ (manche übersetzen ‘Furcht’ im Sinne von Respekt). Um diesen Grundsatz anzuwenden, braucht ein Christ keine Regeln; er weiß: ein jüngerer Mensch sollte älteren Respekt erweisen, der Arbeitnehmer dem Arbeitgeber; selbst wenn letzterer eine anonyme Gesellschaft ist, gibt es darin doch Vorgesetzte. Aber obwohl ein Christ untergeordnet und daher auch respektvoll gegenüber anderen ist, braucht er dennoch nicht servil oder gar kriecherisch zu sein, und dies deshalb, weil wir dem Christus angehören, was uns eine hohe Achtung oder Würde verleiht, unserem Dasein eine hohe Qualität gibt. Wir können und dürfen hohe Selbstachtung haben und können dennoch gute Bürger sein. Wir respektieren jene, die im Leben vor oder über uns gesetzt wurden, sei es in Beruf oder in der Regierung. Wir sehen mit Freimut und Respekt auf alle, die uns gleichgestellt sind, und wir respektieren die Würde derer, denen wir Anweisungen zu geben haben, denen wir vorgesetzt sind, und deren Achtung wir erringen möchten durch unsere Leistung und durch die Aufrichtigkeit unseres Tuns. So hilft uns die Tatsache, dass wir Christus gehören, unseren Platz im Leben richtig auszufüllen.

Doch was die christliche Freiheit betrifft, so ist außer dem Verzicht auf Regelkataloge noch ein anderer Gesichtspunkt wichtig: Römer 14:13. ‘Lasst uns nun nicht mehr einander richten’! Leider gehen verhältnismäßig wenig Gläubige so weit voran, dass sie selbst ein erleuchtetes christliches Gewissen besitzen, das sie leitet in ihren Entscheidungen. Sehr viele ziehen es vor, dem Diktat ihrer jeweiligen Kirche zu folgen, und lernen nie, als von Gottes Geist erleuchtete Christen dem Wort Gottes zu folgen.

Manchmal sagen Ungläubige: ‘ich habe das Recht, nach meinem Gewissen zu leben’. Ein solcher mag das tun im Hinblick auf seine Umwelt, aber er kann nicht entscheiden, auf welche Weise er gerettet werden kann vor dem Zorn Gottes, denn da gibt es nur einen Weg (Apg. 4:12). Doch wenn ein Mensch diesen Weg geht, dann hat er im Lichte der Bibel Gewissensfreiheit in seinem Leben, und niemand sollte ihm diese beschneiden; er selbst muss vor Gott stehen (Römer 14:12). Wir können raten und ermahnen, wir können unsere Erfahrungen erzählen, wir können beten, wir können auf Gottes Wort verweisen, wir können versuchen zu belehren, aber wir dürfen nie dem Gewissen eines anderen Gläubigen befehlen. Wenn wir dies verstehen, erkennen wir auch, wie groß die Übel jeder Form von religiösem Legalismus sind.

Vielmehr sollten wir uns selbst richten. Obwohl wir wissen, dass wir in der Nachfolge Jesu volle Freiheit haben, sollten wir selbst unsere Gedanken und Handlungen prüfen und beurteilen. Wir prüfen uns, um unserem Bruder keinen Anstoß zum Fall zu geben. Wir mögen auf Dinge, die in unseren Augen unschuldig, ja richtig sind, verzichten um unseres Bruders willen; die Liebe Christi treibt uns dazu. Dabei stehen wir also nicht unter Verbotsregeln, sondern allein unter dem Gebot der Liebe, denn nicht jeder hat die gleiche Erkenntnis, aber jeder sollte Liebe haben. Nimm nur als Beispiel den Unterschied in der Erkenntnis eines Paulus und des Gefängnisaufsehers zu Philippi (Apg. 16:30-34) oder des geheilten Blinden (Johannes 9:11,25). Auch heute gibt es große Unterschiede in der Erkenntnis, aber alle können Liebe haben im Glauben an Jesus Christus.

Was schafft denn Probleme unter Christen? Bestimmt nicht die Liebe, sondern:

-) ein Sinn, der nicht vergeben kann;

-) Selbstsucht;

-) ein legalistischer Geist (das ist ein Geist, der nur in Vorschriften, in Geboten und Verboten lebt);

-) jemand, der für andere ‘Gott’ spielt;

-) Heuchelei;

-) die Weigerung, die Gaben anderer zu schätzen;

-) das Versagen, den anderen ihre Freiheiten zu gewähren oder zu belassen;

-) Mangel an Geduld;

-) kein Verständnis für die Mängel anderer oder für ihren Mangel an Gaben, die wir selbst besitzen;

-) üble Nachrede;

-) anderen grundlos Unrecht unterstellen;

-) gegenseitiges Kritisieren;

-) die Motive anderer in Zweifel ziehen;

-) Herrschergeist;

-) rebellisches Denken;

-) Überheblichkeit;

-) Hass;

-) nörgeln, streiten, murren;

-) Boshaftigkeit;

-) Wichtigtuerei;

-) Habgier;

-) Bitterkeit;

-) Groll;

-) Gefühle der Minderwertigkeit;

-) Unsicherheit;

-) Unbeständigkeit;

-) Schüchternheit;

-) Gehässigkeit;

-) Faulheit;

-) andere ausnutzen;

-) Lügen und Geschwätz;

-) Eifersucht;

-) Hochmut;

-) ein kritischer Geist gegen andere;

-) Unversöhnlichkeit;

-) Falschbeurteilung anderer usw. usw.

Darum hört auf, einander zu richten! So sagt es der Heilige Geist durch Paulus.

Vergessen wir nicht: durch Gottes Gnade und durch das Opfer Jesu Christi sind wir von Gott gerechtfertigt worden; wir haben Frieden mit Gott. Nun leitet uns der Heilige Geist in Gerechtigkeit und im Frieden. Wir haben Freude als Frucht des Geistes. Darum sollten wir alles, was wir tun, unter dem Gesichtspunkt unseres Wachstums in Christus betrachten. Das schließt ein, unsere Beziehungen zu anderen, besonders zu anderen Christen, stets im Sinn zu behalten (Galater 5:13-18). Liebe muss die Regel für unser tägliches Leben sein, wenn wir im Geiste wandeln wollen. Der Geist führt weg von Gesetzlichkeit, von unzähligen Regeln und Vorschriften; er führt zur Liebe. Der Herr will, dass jeder ein Leben der Freiheit führt; wir sollen in seiner Freiheit bleiben. Wir sollen nicht wieder in die Sklaverei der Gesetzlichkeit fallen (Galater 5:1). Christus will nicht, dass ein System von Regeln und Anweisungen unser Herr wird; unser Herr ist Jesus Christus!

Glauben

Der christliche Glaube ist kein despotisches System von Dogmen und Vorschriften; zu keiner Zeit waren sich Christen in allen unbedeutenden Lehrpunkten immer einig (Römer 14). Aber sie waren sich einig in den wichtigen Dingen: über die Stellung Jesu Christi, über sein Kommen, seinen Tod als Lösegeld für die Menschen, seine Auferstehung, seine Wiederkunft, Aussagen des Wortes Gottes, die zur Rettung unerlässlich waren. In anderen Dingen hatten Christen große Freiheit zu verschiedenen Auffassungen; sie wurden ermahnt, sich nicht über unwichtige Dinge zu streiten. Was wir lernen sollten ist, dass die Bruderschaft aus Menschen mit verschiedenen Meinungen besteht, und dass nicht einer dem anderen seine Meinungen aufzwingen sollte. Die Grundlage der christlichen Gemeinschaft ist Christus Jesus, und nicht die Menge von Erkenntnis, die einer haben mag. Daher ist Toleranz untereinander wichtig. Ferner ist es wichtig, dass wir lernen, einander zu lieben, auch in unserer Unterschiedlichkeit. Gott schafft keine Einheitsroboter; er schafft Söhne und Töchter! Er will nicht, dass alle in ein Schema gepresst werden. Zwar sollten wir alle danach streben, zu werden wie Jesus; das schließt aber menschliche Verschiedenheit nicht aus; er ist so groß, dass unzählige Menschen ihm nachfolgen und trotzdem verschieden sein können.

Erinnern wir uns: durch das Kommen Jesu und durch seinen Tod fand ein Wechsel statt:

statt Moses Christus;

statt Aaron Christus;

statt des Lammes Christus;

statt des Tempels Christus;

statt der Priesterschaft Christus;

statt des Altars und der täglichen Opfer Christus.

So trat demnach ein völliger Wechsel ein; das Gesetz der Regeln und Vorschriften wurde ersetzt durch das Gesetz des Heiligen Geistes. Und dieses Gesetz wird durch Liebe erfüllt, nicht durch eine Unzahl von Regeln und Vorschriften.
Auch die Waffenrüstung eines Christen (Epheser 6:10-17) besteht letztlich in Christus:


Wahrheit (Johannes 14:6)

Gerechtigkeit (1.Korinther 1:30)

Friede (Epheser 2:14)

Glaube (Galater 2:20)

Rettung (Hebräer 5:9)

Wort Gottes (Johannes 1:14)


Gemeinschaft

Die Bibel spricht viel von der Gemeinschaft unter Christen, von der Gemeinschaft der Heiligen. Diese Gemeinschaft geht in zwei Richtungen: horizontal, das ist die Gemeinschaft untereinander, und vertikal, das ist die Gemeinschaft mit Gott und mit Jesus Christus, dem Herrn (1.Johannes 1:3). Im Lichte dieses Textes muss man sagen, dass viele sogenannte Christen nicht in wahrer Gemeinschaft mit Gott sind, weil sie ihren gläubigen Brüdern die Gemeinschaft verweigern. Nicht die Zugehörigkeit zu einer Gemeinschaft ist entscheidend, sondern die Zugehörigkeit zu Christus. Ein wahrer Gläubiger muss bereit sein, Gemeinschaft zu haben mit einem anderen wahren Gläubigen, ihn als Bruder in Christo anzuerkennen, wo immer er auch sei. Alle, die von Christus erlöst wurden, benötigen die Gemeinschaft miteinander. Wer die Gemeinschaft mit solchen ablehnt - Gottes Wort sagt, dass er in der Finsternis wandelt, dass er ein Lügner ist, dass er nicht die Wahrheit tut.

Nur wenn wir uns gegenseitig annehmen, können wir auch füreinander beten! (Römer 15:30-33). Wir sollten das tiefe Verlangen haben, füreinander zu beten. Wie oft hat Paulus in seinen Briefen die Adressaten dazu aufgefordert! Dabei sind solche Gebete immer auch zur Ehre Jesu Christi dargebracht, nicht aus selbstsüchtigen Gründen im alleinigen Interesse der Personen, für die man bittet. Für einander zu beten heißt nicht einfach, einen Segenswunsch auszusprechen; Paulus spricht von einem Kämpfen im Gebet.

Gott ist wahrlich ein Hörer und Erhörer von Gebeten. Aber wir müssen eines beachten:

Zuerst einmal müssen wir auch willig und bereit sein, Gottes Entscheidung anzunehmen, wenn er unsere Bitte nicht erhört, ihr nicht entspricht. Unsere Bitte mag nicht nach seinem Willen gewesen sein (1.Johannes 5:14-15). Deshalb sollten wir bei solchen Bitten auch immer hinzufügen ‘wenn es Dein Wille ist’. Dieser Zusatz ist dann nicht erforderlich, wenn wir um Dinge bitten, von denen uns die Bibel sagt, dass sie Gottes Wille sind, wie z.B. in 1.Thessalonicher 4:3. Aber wenn wir nicht eine solche besondere Aussage finden, müssen wir sehr sorgfältig sein und darum bitten, der Herr möge uns auf seinem Weg bewahren, dass wir nicht abweichen oder eigene Wege gehen, und dass, wenn wir um Dinge bitten, die unserem eigenen Weg entsprechen, er sie uns verweigern möge, zu seiner Herrlichkeit und zu unserem Besten.

Zweitens müssen wir damit rechnen, dass manche Antworten auf unsere Gebete behindert werden durch den Stolz anderer. Der Prediger der Rettung aus Gnade allein, ohne sonst etwas, muss stets damit rechnen, dass ihm widersprochen wird von jenen, die am Legalismus hängen, an der Werkgerechtigkeit oder die gar das Heil von ihrer Kirche abhängig machen. Und wer die Heiligkeit des Lebens predigt, muss mit dem Widerspruch derer rechnen, die in ihrem Glauben schwach oder in ihrer Moral nicht gefestigt sind.

Drittens müssen wir bereit sein zu erkennen, dass manche Gebete auf eine Weise erhört werden, die völlig außerhalb unserer Vorstellung lag in der Zeit, als wir sie vortrugen, so wie etwa Paulus kaum daran dachte, wie sein Gebet erfüllt würde, als er darum bat, nach Rom gehen zu dürfen.

Durch das Beten füreinander fördern wir auch den Frieden. Wir haben Frieden mit Gott durch den Glauben an das Opfer Jesu. Friede ist Vertrauen; Gott schenkt uns seinen Frieden als Antwort auf unser Vertrauen, unseren Glauben; wir mögen es nicht verstehen, wie das geschieht, aber es geschieht, genau so, wie wir auch erleben durften, dass der Herr, Christus, seine Versprechen hielt. Er sagte: ‘wer zu mir kommt, den werde ich nicht zurückstoßen’, und als wir zu ihm kamen, da hielt er sein Wort. Glauben an Christus bedeutet Frieden mit Gott. Du hast Frieden mit Gott, aber ruht auch der Friede Gottes auf Dir? Wo liegt der Unterschied?

Friede mit Gott hast Du durch den Glauben, aber der Friede Gottes kommt aus der Hingabe an Christus (Matthäus 11:29). Christus wird in der Offenbarung der ‘Amen’ genannt, und er selbst führte oft seine Belehrungen mit ‘Amen’ ein. Amen ist ein Wort, das in allen Sprachen der Welt gleich lautet, so wie auch das Wort ‘Halleluja’. Amen bedeutet Treue, und seine Form als Zeitwort umfasst viele schöne Bedeutungen.

In Jesaja 65 wird der Vater Jesu Christi als der Gott der Treue bezeichnet, eigentlich als der Gott des ‘Amen’. Das Wort Amen findet man in 127 Versen, in 76 Fällen am Anfang des Verses, in 48 Fällen am Ende. Stets sind es der Vater und der Sohn, Jehova und Jesus, die das Wort am Anfang einer Aussage gebrauchen, um ihre Bedeutung und Wahrhaftigkeit hervorzuheben, stets ist es der Mensch, der das Wort am Ende als Zustimmung gebraucht. Der Mensch sagt dem Sinne nach: wir glauben, dass das, was Gott spricht, die Wahrheit ist! Deshalb erwähnt Paulus, dass jemand nur Amen sagen kann, wenn er die Worte versteht, und es wird deutlich, dass man nicht Amen sagen kann, wenn man mit einer Aussage nicht einverstanden ist.

Christus gebrauchte das Wort ‘Amen’ außerordentlich intensiv, manchmal sogar in Wiederholung. Und wenn wir all diese Texte lesen, wie z.B. in Joh. 8:34; 3:3; 5:24; 10:7; 6:47; 5:25, dann verspüren wir, dass unser Herz dazu ebenfalls ‘Amen’ sagt. Ein Mensch kann immer nur sagen: vielleicht wird etwas sein; aber Christus, der Amen, kann sagen: diese Dinge werden sein! Wenn Gott Amen sagt, legt er für uns eine sichere Grundlage; wenn wir Amen sagen, bauen wir auf ihn! Wenn wir gemeinsam Amen sagen, tun wir dies als Brüder, die in Christus zusammengebunden sind. Doch jeder muss aus seinem Herzen antworten; niemand kann für einen anderen antworten. Und jeder muss für sich dem Bilde Christi nachstreben; mögen auch die Menschen unser ‘Amen’ hören, unsere Zustimmung zu all seinem Wollen. Und mögen wir in unserem Herzen das Echo des Wunsches von Johannes hören: die Gnade unseres Herrn Jesu Christi sei mit euch allen. Amen.

Nur in dieser Bindung im Herrn und in seinem Geist gibt es echte Bruderschaft, wie das auch aus den Grüßen im 16. Kapitel des Römerbriefs hervorgeht. Das Übermitteln von Grüßen kann reine Routine sein, mag nichts bedeuten. Doch damals bedeutete es viel, denn die Christenversammlung war etwas Einmaliges: ein Zusammensein von Menschen ‘die sich vorher gemieden, sich nicht gekannt’ hätten. Herren und Knechte, Freie und Sklaven, Reiche und Arme, alle eins in Christus. Und nicht nur Vornehme oder Herausragende wurden erwähnt; auch einfache Brüder, Sklaven, die keine Namen hatten, sondern einfach als Erster, Zweiter, Dritter oder Vierter bezeichnet wurden. So in Vers 23 der Bruder Quartus, also der Bruder Nummer 4. Und dieser liebe, einfache Sklave Nummer 4 ist seit bald zweitausend Jahren schon als unser lieber Bruder bekannt geblieben, neben vielen anderen.

Eine solche Art von Gemeinschaft hatte es vorher nie gegeben, eine Gemeinschaft, deren Zusammenhalt in der Liebe bestand, der Liebe Jesu Christi. Und von Christus getrennt kann es eine solche Gemeinschaft nicht geben, ungeachtet aller Anstrengungen von Menschen. Sie funktioniert nur in Christus. Und die Welt sah es und wunderte sich. Hier saßen sie zusammen, Griechen und Barbaren, Juden und Heiden, frühere Anbeter Jehovas und frühere Anbeter Jupiters, Gebildete und Ungebildete, aus allen schichten der Bevölkerung. Und ein Sklave Nummer 4 konnte einen ehemaligen Pharisäer bitten, seine Grüße auszurichten. Wie ist es bei Dir und Mir?

In der Namensliste von Römer 16 können wir eine Art Querschnitt der damaligen Christenversammlung erkennen. Und wie halfen sie einander! So wie z.B. Mnason (Apg. 21:16) dem Paulus. Und was wissen wir von ihm? Er war ein alter Jünger, der wahrscheinlich bis dahin von Paulus noch nichts gehört hatte. Aber er war da um Christi willen. Und müssen wir mehr wissen? Ein Jünger! Ein Bruder! Alles andere ist zweitrangig. Du magst kein Paulus sein können, kein Petrus, kein Timotheus, keine Phoebe, keine Priscilla; du magst kein Bibelübersetzer sein, kein Märtyrer, kein Vollzeitprediger oder Evangelist, du magst vielleicht nicht so viel leiden müssen in deiner Zeit wie andere, vielleicht kannst du auch nicht Gastfreundschaft üben wie ein Mnason oder ein Gajus (3.Johannes 1), aber eines kannst du sein: ein Jünger, ein Bruder oder eine Schwester. Du hast ein Herz, das du für Christus öffnen kannst. Welche Heiligkeit und Schönheit können auch in einem verborgenen Leben zu finden sein, das sich nicht in der Öffentlichkeit darstellt. Von manchen der in Römer 16 erwähnten Brüder wird nur gesagt, dass sie ‘in Christus’ seien; das ist genug! Sie hatten keine besonderen Gaben oder besondere Taten. aber sie liebten Christus und folgten ihm. Hier zeigt sich der Kern der Sache; nicht unsere Taten sind wesentlich, sondern die Gründe, warum wir so handeln.

Hier sehen wir die Worte Jesu erfüllt: ihr seid das Licht der Welt und das Salz der Erde. Nicht die Kerze ist wichtig, sondern das Licht; das Salz, wenn wirksam, löst sich auf. So lebten diese Brüder. Die Worte Jesu waren nicht für Primadonnen oder für Selbstzufriedene, sondern für jene im Verborgenen, manchmal vielleicht Entmutigten.

Nummer 3, Nummer 4 grüßen dich; danke Herr! Wir können nicht mit ihnen sprechen, aber wenn sie einmal erfahren werden, dass wir dankbar waren, von ihrem kleinen Leben, aber einem Leben in Christo, zu hören, werden sie mehr als zufrieden sein. Denn auch durch sie verstehen wir, was es bedeutet, wie Christus zu werden, indem wir anderen dienen.

Wahrlich, Jehova Gott ist Gott nicht nur, weil er der Schöpfer aller Dinge ist und die Winde in seinen Händen hält, nicht weil er Sterne ins Dasein ruft oder uns alle in seiner hohlen Hand trägt. Er ist Gott, weil er uns inniger liebt als wir je geliebt wurden oder geliebt werden könnten, und weil er uns unermüdlicher, geduldiger und treuer dient als irgendwer sonst.

Er liebt uns! Er vergisst uns nicht! Tertius und Quartus, Nummer Drei und Nummer Vier, was für ein Leben habt ihr geführt? Wurdet ihr von euren Herren misshandelt, geschlagen, waren eure Aufgaben schäbig und schmutzig? Habt ihr leiden müssen an eurem Sklavendasein? Würdet ihr sagen, dass euer Leben hart und übel war?

Nein! würden sie sagen; wir waren Sklaven; aber eines Tages kam Paulus ins Haus unseres Herrn Gajus; und Gajus wurde völlig verändert; er fing an, freundlich zu uns zu sein; er ließ Paulus uns von Christus erzählen. Paulus kam oft zu uns, da er über zwei Jahre in Korinth blieb. Und einmal in der Woche kamen noch andere Christen aus Korinth zu uns. Das machte mehr Arbeit, aber auch viel mehr Freude. Wir nahmen Brot und Wein wie unser Herr. Wir tranken mit ihm aus dem gleichen Becher, und er lächelte. Alles veränderte sich bei uns. Unser Herr sprach von der Gnade Gottes; er sagte, dass er zwar unser Herr sei, dass er aber auch einen Herrn habe, dem er gehorchen müsse, Christus. Er wollte uns so behandeln, wie Christus ihn behandelte. Liebe veränderte unser Leben.

Herren und Sklaven! Wie groß wird ihre Zahl in Christi Reich sein? Jesus sagte: jeder, der den Willen meines Vaters tut, dieser ist mir Bruder und Schwester und Mutter. Er sagte, dass viele, deren Namen Zweite, Dritte, Vierte, ja Letzte seien, Erste genannt würden in seinem Reich. Denn viele, die Erste sind werden Letzte sein, und viele, die Letzte sind, werden Erste sein. Was spielt das für eine Rolle, wenn wir nur bei Christus sind! Und während wir auf ihn warten, lasst uns Liebe geben und ihm dienen!

E.F.

 
Jurek
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Artikel von E.F.

#36 von Jurek , 04.10.2009 15:39

Der Name Gottes - wie wird er tatsächlich geheiligt?

Ich muss vorausschicken, dass ich keine Hemmungen irgend welcher Art habe, den Namen Gottes, das Tetragrammaton, als Jahwe oder Jehova zu gebrauchen, neben den anderen Bezeichnungen in der Bibel, wie Elohim, Adonai oder El-Schaddai. Auch für mich ist der Name Gottes ein heiliger Name, ein Name, den man nicht aus abergläubischer Furcht, ihn durch Gebrauch zu verunehren, in der Versenkung verschwinden lassen darf, sondern den man mit gebührender Achtung aussprechen kann. Ich bin auch völlig der Meinung, dass man es sich nicht aussuchen kann, ob man als Christ mehr Jesus verehren will oder den Vater, sondern dass man den Willen Gottes erfragen oder ermitteln muss; ich denke, dass in diesem Punkt die Bibel sich sehr klar äußert; ich kann natürlich hier nicht einfach das alte Testament heranziehen – obwohl auch ich der Meinung bin, dass die Nationen erkennen werden, dass JHWH Gott ist –, da damals Christus noch nicht erschienen war; aber die griechischen Schriften beantworten diese Frage nach dem Willen Gottes eindeutig; siehe Johannes 5:23, Philipper 2:9-11 oder Apostelgeschichte 4:12. Jehova der Vater hat dem Sohn alles übertragen (Joh. 16:15); es gibt keine Konkurrenz zwischen Vater und Sohn, der Wille des Vaters, Jehovas, ist auch immer der Wille des Sohnes, und er will, dass der Sohn geehrt wird, denn auch das gereicht zur Verherrlichung des Vaters.

Ich bin auch der Meinung, dass sich Gott nicht vorschreiben lässt, welcher Menschen er sich bedient; das ist seine freie Entscheidung; auch Jesus traf seine Auswahl nicht unter den Würdenträgern. Und dass diese Menschen Fehler haben – wer hätte keine? Die Fehler von Menschen können für mich kein Kriterium sein; doch bin ich mir nicht so sicher, dass man die Fehler der Kirchenleute nicht ebenso nachsichtig behandelt. Es scheint, dass man sie von der jeweiligen Gegenseite sehr herausstellt. Mir kommt es darauf an: wie stehen diese Menschen im Glauben zu Gott und seinem Sohn? An dieser Frage in Verbindung mit Gottes Wort will ich sie messen.

Auch dem Zitat aus Jesaja 2 und Micha 4 kann ich nur zustimmen, denn es wird sich unter der Herrschaft Christi erfüllen, nach dem Willen des Vaters (Eph. 1:10).Ich bin auch durchaus der Meinung, dass der größte Teil der Christenheit nicht aus überzeugten Christen besteht; sie könnten in einem anderen Kulturkreis genau so gut Buddhisten oder Moslems sein; dass man den Namen JHWH in vielen Bibelübersetzungen durch ‘Herr’ ersetzt hat und dabei dem jüdischen Beispiel bei der Übersetzung der Septuaginta folgte, heiße ich nicht gut; das bedeutet zwar nicht, dass die Kirchen den Namen nicht kennen; es gibt sogar Kirchenlieder, die den Namen Jehova enthalten, und es gibt auch immer noch Übersetzungen, die den Namen Jehova oder Jahwe verwenden; aber ich finde, dass man die Grundmanuskripte nicht ändern dürfte; das gilt allerdings auch für die Neue-Welt-Übersetzung, in der man den Namen in den griechischen Schriften eingesetzt hat, obwohl es unter den fast 5000 griechischen Manuskripten nicht ein einziges gibt, das eine Wiedergabe des Tetragrammatons enthält; man hat vielmehr das in der Regel dort stehende Wort kyrios durch Jehova ersetzt, manchmal auch das Wort theos und einmal sogar (1.Kor. 10:9) das Wort Christus. Ich halte jede Veränderung der Urschriften für unzulässig, sei es in dieser oder in anderer Richtung.

Es ist jedoch interessant, dass weder Jesus noch die Apostel nach den uns überkommenen Aufzeichnungen den Eigennamen Gottes nicht gebrauchten, obwohl sie viel von Gottes Namen sprachen; ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Jesus, der stets treu für die Wahrheit eintrat, sich aus Opportunismus hier dem jüdischen Brauch angeschlossen haben sollte, den Namen nicht zu gebrauchen. Dennoch kommt in allen griechischen Schriften der Bibel der Name nicht vor. Aber vielleicht war da noch ein ganz anderer Grund; Jesus sagte doch, er habe seinen Jüngern Gottes Name geoffenbart oder kundgetan! (Joh. 17:6) Dann betete er auch, dass Gott die Jünger in seinem Namen bewahren solle (Joh. 17:11-12). Sollte das bedeuten, dass sie den Namen in irgend einer Form zu Schau tragen oder ihn beständig im Munde führen sollten, fast wie eine Zauberformel (und so wird er ja auch von Okkultisten gebracht oder vielmehr missbraucht)? Wäre das ein Zeichen echten Christentums? Wenn ja, warum haben das die Jünger, warum ein Petrus bei seiner Pfingstansprache nicht gemacht? Warum sprach er vom Gott unserer Väter, statt Jehova zu sagen? Vielleicht bedeutet es aber viel mehr, den Namen zu offenbaren, ja vielleicht schließt es viel mehr ein als nur eine Übersetzung des Tetragrammatons.

Das Buch Einsichten über die heilige Schrift, Band 2, unter dem Stichwort ‘Namen’, S.424, sagt über den Namen Gottes: ‘Der Name selbst ist keine Zauberformel ... . Somit steht der Name für Gott selbst’! Das ist völlig zutreffend. Der Name steht für die Person mit all ihren Eigenschaften, ihrem Wesen und Willen, für ihr ganzes Wesen. Im Namen ist auch das Wesen ausgesprochen. Man könnte ihn sozusagen durch Gott selbst ersetzen, zum Beispiel:

‘Gottes Namen ein Haus bauen’ heißt ‘Gott ein Haus bauen’.

‘Den Namen Gottes preisen’ heißt ‘Gott preisen’.

‘Der Name Jehovas ist ein starker Turm’ heißt ‘Gott selbst ist der Zufluchtsturm’.

‘In Gottes Namen bewahren’ heißt ‘In Gott bewahren’.

‘Gottes Namen vergessen’ heißt ‘Gott vergessen’.

‘Gottes Namen kennen’ heißt ‘Gott kennen’.

‘Gottes Namen heiligen’ heißt ‘Gott heiligen’.

‘Gottes Namen verherrlichen’ heißt ‘Gott verherrlichen’.

‘Gottes Namen offenbaren’ heißt ‘Gott offenbaren’.


Wenn also Jesus sagt, er habe seinen Nachfolgern Gottes Namen geoffenbart, dann heißt das nicht den Namen als Wort, denn den kannten sie als Juden, sondern er hat ihnen Gott geoffenbart in einer Weise, wie sie ihn noch nicht kannten. Gottes Wesen und Wahrheit war den Menschen verborgen; Jesus hat die Wahrheit Gottes ans Licht gebracht, Gottes Wesen geoffenbart (Joh. 1:17; 14:9). In Israel hatte sich Gott unter dem Namen Jahwe oder Jehova geoffenbart; doch unter Jesus gab es ein ganz neues Verhältnis; jetzt durften Nachfolger Jesu den Schöpfer Vater nennen. Abraham zum Beispiel wurde ‘Freund Gottes’ genannt; doch Christen dürfen und können Kinder Gottes werden, dürfen Gott Vater nennen in Christus Jesus. Die Kundgebung und Offenbarung des Namens Gottes als Vater war für die jüdischen Jünger etwas Neues; Gott war ihnen nah wie nie zuvor; im Vaternamen neigt Gott sich zu uns herab; er gewährt uns Gemeinschaft; der Name Gottes, auch der Name als Vater, enthält Aussagen über Gott; ihn nur ständig zu gebrauchen, heißt noch nicht, ihn zu verstehen. der Name beinhaltet seine Unveränderlichkeit, seine Gnade und Treue; die Bezeichnung als Vater schließt die Offenbarung Gottes über seinen Sohn ein und alles, was mit diesem verbunden ist; es ist die Offenbarung des Gottes der Liebe, der die Sünde richtet und doch den Sünder rettet, aber die Rettung ist unlöslich mit Christus verbunden (Apg. 4:10-12); darum predigten die Apostel ‘den Namen des Herrn Jesus’ (Apg. 9:28, Luk. 24:47).

Ist es nicht verwunderlich oder erstaunlich, dass ein Paulus dort, wo er Gott näher bestimmen wollte, nicht einfach Gott Jehova sagte, sondern ‘Gott, unseren Vater’ (siehe zum Beispiel 1.Kor. 1:3; 2.Kor. 1:2; Gal. 1:1,4; Eph. 1:2; 6:23; Philip. 1:2; Kol. 1:2; 1.Thess. 1:1,3; 2.Thess. 1:1; 1.Tim. 1:2; 2.Tim. 1:2; Titus 1:4; Philm. 3).

Er wird auch als der Vater Jesu Christi bezeichnet: 2.Korinther 1:3; Epheser 1:3; Kolosser 1:3!

Die Ansicht, dass in den ersten Jahrhunderten irgend welche Personen den Namen Gottes aus den griechischen Manuskripten entfernt hätten – aus allen, die im Mittelmeerraum inzwischen verbreitet waren –, so dass wir trotz der Existenz von mehreren tausend Texten nicht eines mehr besitzen, das den Gottesnamen enthält, ist so weit hergeholt und unwahrscheinlich, so völlig unbegründet und ohne jegliche Grundlage, dass es beschämend wäre, einen solchen Einwand überhaupt vorzutragen.

Ich bin dankbar für das Vorrecht, Gott Vater nennen zu dürfen; und so wie ich meinen irdischen Vater nicht mit seinem Namen angeredet habe, während die, welche nicht zur Familie gehörten, ihn sehr wohl mit seinem Namen anreden mussten, so rede ich im persönlichen Gespräch Gott mit Vater an, bekenne ihn auch als Vater, aber habe keine Hemmungen, in Gesprächen auch seinen Namen zu gebrauchen. Und wenn jemand den Wunsch hat, diesen Namen vermehrt zu gebrauchen, so habe ich nichts dagegen einzuwenden; doch habe ich gelernt, dass die Rettung nach dem Willen des Vaters durch Glauben an Christus kommt, nicht etwa durch den zahlenmäßig häufigen Gebrauch des Gottesnamens; ich warne nur davor, zu glauben, dass durch häufigen Gebrauch dieses Namens dieser geheiligt werde oder dass daran ‘die wahre Anbetung’ zu erkennen sei.

E.F.

 
Jurek
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