8:58

#61 von Jurek , 15.01.2023 14:35

Als ich jemanden auf Joh 9:9 wegen „ego eimi“, also „ich bin“ hingewiesen hatte, hatte der mir geantwortet:

Zitat
Joh 9:9 besitzt eine implizierte prädikative Bestimmung. Das sieht man auch einfach daran, dass die Juden den Mann aus 9:9 nicht steinigen wollten, sehr wohl aber bei Jesus in 8:58-59!
Geh zum AT, zeig mir eine Stelle ohne prädikative Bestimmung.


Und ich behaupte, dass das Interpretationssache ist.
Joh 8:58,59, da wollte JESUS auch niemand steinigen dafür, dass Er gesagt hat „ich bin“!
Da ging es doch nicht um das, dass sich JESUS als der „Seiender“ JHWH – der ICH BIN darin bezeichnete! Darin geht es doch die ganze Zeit (Kontext) darum, dass JESUS sagte, dass Er schon vor Abraham da war. Die ganze Rede davor zeigt, dass es da um ganz was anderes ging (dass JESUS der wahrhaftiger SOHN GOTTES ist, und nicht GOTT selber!), als dass JESUS sich JEHOVA gleichmachen wollte!


"Und dies ist das Zeugnis: dass GOTT uns ewiges Leben gegeben hat, und dieses Leben ist in Seinem SOHN.
Wer den SOHN hat, hat das (wahre) Leben; wer den SOHN GOTTES nicht hat, hat das (wahre) Leben nicht.
"
1. Johannes 5:11,12.

 
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4:23,24

#62 von Jurek , 14.09.2024 09:19


"Und dies ist das Zeugnis: dass GOTT uns ewiges Leben gegeben hat, und dieses Leben ist in Seinem SOHN.
Wer den SOHN hat, hat das (wahre) Leben; wer den SOHN GOTTES nicht hat, hat das (wahre) Leben nicht.
"
1. Johannes 5:11,12.

 
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20:28

#63 von Jurek , 15.04.2025 09:18

Thomas könnte gemeint haben:
Du bist von GOTT eingesetzt, du bist mein göttlicher HERR“.
So ähnlich wie man einen König oder Richter „Elohim“ (Gott) damals nennen konnte.
Manche röm. Kaiser (aber auch in anderen Kulturen) waren Gottessöhne… Ab Augustus galten Kaiser als „divus“, d.h. als ein vergöttlichter Mensch. Und um Treue dem göttlichen Kaiser zu bezeugen, mussten Bürger Roms auch Opfergaben bringen, was Christen natürlich ablehnten und deshalb auf heftigste verfolgt wurden… (Mir ist damaliges Dokument bekannt, wo Zeugen das bestättigen mussten, als eine schriftliche Beglaubigung, dass man geopfert hatte – „Als die Heiden Christen wurden“, S. 215).

Im jüdischen Denken (das war wirklich monotheistisch) war es so, dass mit dem Titel „Gott“ konnten auch Engel, Menschen, oder himmlische Repräsentanten bezeichnet werden.
Der Begriff war kontextuell und funktionsbezogen, nicht immer aber wesenstechnisch gemeint.

Durch Betrachtung JESU Wundmale, konnte Thomas spontan anerkannt haben, dass JESUS wirklich der von GOTT gesandte Messias ist, ohne damit zu meinen, dass JESUS etwa JEHOVA oder IHN ein Ebengleicher wäre.
JESUS hatte oft das auch schon davon bezeugt (Joh 14:28 u. ä.) das Er unter Seinem VATER steht, aber die Jünger glaubten nicht ganz so recht daran, dass Er wirklich der CHRISTUS war…

Unter dem Thema Was bedeutet dieser Begriff: „Gott“? habe ich mich damit beschäftigt mit dem, was damals mit dem Begriff „Gott“ gemeint war und wie dieses zu verstehen ist.
Der Begriff „Gott“, bedeutet nicht automatisch „der eine, wahre GOTT“, von dem es wirklich nur EINEN gibt! (Joh 17:3)
WARUM hätte damals jemand was dagegen gehabt haben, dass Thomas JESUS „Gott“ genannt hatte? Damals war das normal, heute wird das missbraucht, da man nicht versteht, was mit „Gott“ in der Bibel gemeint ist.
Unter https://www.bibelkommentare.de/lexikon/252/gott kann man lesen, dass der Begriff „Gott“ bedeutet einfach „der Starke oder Mächtige“ aber nicht automatisch der „Allmächtige“!

Als Beispiele sind anzuführen:
2. Korinther 4:4 = da wird auch der Satan als „der Gott“ bezeichnet, etwas, was manchen Trinitariern das nicht so bewusst oder bekannt ist
Psalm 82:6 – Menschen (Richter!) werden „Götter“ (elohim) genannt.
2. Mose 7:1 – Da hatte JEHOVA seinen Diener Moses zum Gott über Pharao gesetzt.

Man sollte bitte verstehen, dass der Titel „Gott“ kann situationsbezogen verwendet werden. Er bedeutet nicht automatisch „JEHOVA“ oder IHN gleicher an Macht, Herrlichkeit, Ewigkeit…

Johannes 17:3 – spricht m. E. deutliche Sprache über nur dem VATER: „dich, den allein wahren GOTT“, wo sich JESUS selbst da nicht einschließt.

In Johannes 10:34 – zitiert JESUS aus Psalm 82: „Ich habe gesagt: Ihr seid Götter“ – das, um Anspruch auf göttliche Sendung zu begründen, nicht aber um sich als „der GOTT“ darzustellen.
(Ich verwende immer „GOTT“ nur für JEHOVA und „Gott“ dann in Bezug auf andere).

In der damaligen jüdischen Denkweise war der Gebrauch von „Gott“ sehr flexibel, nicht absolut exklusiv wie das bei den Trinitariern der Fall ist. Damals waren Richter, Menschen mit Autorität und besondere von GOTT gesalbte Menschen als „Gott“ bezeichnet worden. (2.Mo 22:8; Ps 82:6 u.a.)
Menschen oder Wesen konnten „göttlich“ genannt werden, gar Engel direkt im Auftrag GOTTES waren sogar „JEHOVA“ genannt, obwohl sie selbst nicht JEHOVA waren…, wenn sie direkt GOTTES Autorität ausübten, aber das machte sie nicht zu JEHOVA oder dem wahren GOTT.

Damals hat man das verstanden, heute wird das (wie es mir scheint) unverstanden missbraucht… 😪


"Und dies ist das Zeugnis: dass GOTT uns ewiges Leben gegeben hat, und dieses Leben ist in Seinem SOHN.
Wer den SOHN hat, hat das (wahre) Leben; wer den SOHN GOTTES nicht hat, hat das (wahre) Leben nicht.
"
1. Johannes 5:11,12.

 
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RE: 20:28

#64 von Manfred , 15.04.2025 09:52

Stets wird ja beides gleichzeitig behauptet, Gott ist Einer und gleichzeitig soll Gott aus Dreien bestehen.

Widersprüchlicher geht es nicht. Der Vorteil der obigen Aussagen, man kann einen Monotheismus behaupten, ohne die Trinität aufzugeben.

Letzten Endes muss die Trinität zum Mysterium erklärt werden, weil dieser Widerspruch so eklatant ist.

In Wahrheit ist es weder nötig noch biblisch einen trinitarischen Jesus oder Gott zu propagieren.

Allerdings ist dieses Dogma in den Köpfen und den Gefühlen von Gläubigen fest verankert. Nach Auffassung der Trinitarier macht erst das Glaubensbekenntnis zur Trinität einen Christen zum echten Christen.

Dies ist ein weiteres unbiblisches Vorgehen.

Was die Bibelstelle Johannes 20:28 angeht, darf man den Kontext nicht vergessen, dass wenige Verse zuvor Jesus selber von seinem Gott sprach, also eine Unterscheidung traf. Ebenso mag sich Thomas an die Worte erinnert haben, wo Jesus sagte, wer ihn sieht, der sieht den Vater. Die Situation war ja ein Glaubensmoment für Thomas, von der Ungläubigkeit zur Überzeugung, dass Jesus auferstanden sei. In einem solchen Überraschungsmoment mag der Ausruf von Gefühlen geprägt worden sein, die eine plötzliche Erkenntnis der vorherigen Worte Jesus bedeuten.

In diesem Zusammenhang ist auch zu fragen, warum schrieb Johannes seinen Bericht? Was war sein Anliegen? Für mein Dafürhalten ist erkennbar, dass Johannes die Auferstehung Jesu bezeugen wollte und nicht einen Hinweis auf eine Trinität liefern wollte. Die trinitarische Deutung ist daher mehr als zweifelhaft und steht im Widerspruch zu vielen anderen Bibelstellen.

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1:1-3

#65 von Jurek , 05.08.2025 09:58


"Und dies ist das Zeugnis: dass GOTT uns ewiges Leben gegeben hat, und dieses Leben ist in Seinem SOHN.
Wer den SOHN hat, hat das (wahre) Leben; wer den SOHN GOTTES nicht hat, hat das (wahre) Leben nicht.
"
1. Johannes 5:11,12.

 
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RE: 1:1-3

#66 von Jurek , 20.09.2025 06:08

Zitat
ES WIRD jedoch behauptet, solche Wiedergaben verstießen gegen eine von dem Gräzisten E. C. Colwell 1933 veröffentlichte Regel der Grammatik der Koine. Colwell erklärte, daß im Griechischen bei einem Prädikatsnomen, „wenn es dem Verb folgt, der [bestimmte] Artikel steht; geht es dem Verb voraus, so steht der [bestimmte] Artikel nicht“. Damit meinte er, ein Prädikatsnomen vor dem Verb sei so aufzufassen, als ginge ihm der bestimmte Artikel (der, die oder das) voraus. In Johannes 1:1 steht das zweite „Gott“ (theós), das Prädikat, vor dem Verb — „und ... [theós] war das Wort“. Daher behauptete Colwell, in Johannes 1:1 müsse es „und [der] Gott war das Wort“ heißen.

Man betrachte aber nur zwei Beispiele, die in Johannes 8:44 zu finden sind. Dort sagt Jesus über den Teufel: „Jener war ein Totschläger“, und „er ist ein Lügner“. Genauso wie in Johannes 1:1 gehen hier im Griechischen die Prädikatsnomina („Totschläger“ und „Lügner“) den Verben („war“ und „ist“) voraus. Vor keinem dieser Substantive steht ein unbestimmter Artikel, denn in der Koine gab es keinen unbestimmten Artikel. Dennoch wird in den meisten Übersetzungen das Wort „ein“ eingefügt, weil die griechische Grammatik und der Kontext es erfordern. (Siehe auch Markus 11:32; Johannes 4:19; 6:70; 9:17; 10:1; 12:6.)

Colwell mußte das hinsichtlich des Prädikatsnomens anerkennen, denn er sagte: „Es ist in dieser Stellung nur unbestimmt [„ein“], wenn der Zusammenhang es verlangt.“ Somit gibt sogar er zu, daß der Übersetzer in einer Satzkonstruktion wie dieser einen unbestimmten Artikel vor dem Substantiv einfügen kann, wenn der Kontext es erfordert.

Ist in Johannes 1:1 gemäß dem Kontext ein unbestimmter Artikel erforderlich? Ja, denn nach der Gesamtaussage der Bibel ist Jesus nicht der allmächtige Gott. Daher sollte sich der Übersetzer in solchen Fällen nach dem Kontext und nicht nach Colwells fragwürdiger Grammatikregel richten. Aus zahlreichen Übersetzungen, in denen in Johannes 1:1 und an anderen Stellen der unbestimmte Artikel „ein“ eingefügt worden ist, geht hervor, daß viele Gelehrte einer solchen unnatürlichen Regel nicht zustimmen, und das Wort Gottes stimmt ebenfalls nicht damit überein.

Im Jahre 1933 veröffentlichte der Gräzist E. C. Colwell einen Artikel unter dem Titel „Eine feste Regel für den Gebrauch des Artikels im griechischen Neuen Testament“. Darin schrieb er: „Bei einem bestimmten Prädikatsnomen steht, wenn es dem Verb folgt, der Artikel; geht es dem Verb voraus, so steht der Artikel nicht. . . . Ein Prädikatsnomen, das dem Verb vorausgeht, kann nicht als ein unbestimmtes Nomen oder ein Nomen, das eine Eigenschaft bezeichnet, übersetzt werden, nur weil es artikellos ist. !!!Wenn aus dem Zusammenhang hervorgeht!!!, daß es sich um ein bestimmtes Prädikatsnomen handelt, sollte es, obwohl artikellos, als bestimmtes Nomen übersetzt werden.“

In Johannes 1:1 geht das artikellose Prädikatsnomen theós dem Verb voraus, denn im Griechischen ist die Wortstellung wie folgt: „Gott [Prädikatsnomen] war [Verb] das Wort [Subjekt].“ Hinsichtlich dieses Verses kam Colwell zu folgendem Schluß: „Der erste Vers des Johannesevangeliums enthält eine der vielen Stellen, wo nach dieser Regel ein Prädikatsnomen als ein bestimmtes Nomen übersetzt werden sollte.“ Deshalb behaupten einige Gelehrte, die einzig richtige Übersetzung dieses Satzes laute: „Und das Wort war Gott.“

Beweisen diese Erklärungen Colwells aber, daß die Übersetzung „ein Gott“ in Johannes 1:1 nicht korrekt ist? Vielleicht hast du bemerkt, daß nach den Darlegungen dieses Gelehrten ein artikelloses Prädikatsnomen, das dem Verb vorausgeht, als bestimmt aufzufassen ist, wenn dies !!!„aus dem Zusammenhang!!! hervorgeht“. Colwell führt weiter aus: „Das Prädikatsnomen . . . ist in dieser Stellung nur unbestimmt, wenn der Zusammenhang es verlangt.“

Er sagt nirgends, daß im Griechischen alle artikellosen Prädikatsnomina, die dem Verb vorausgehen würden, bestimmte Nomina seien. In solchen Fällen muß sich „der Übersetzer vom Zusammenhang, nicht von einer unumstößlichen Grammatikregel leiten lassen.!!!!

Der griechische Text der christlichen Schriften enthält viele Beispiele von dieser Art Prädikatsnomina, denen andere Übersetzer den unbestimmten Artikel beigefügt haben. Betrachten wir zum Beispiel Marshalls zwischenzeilige Übersetzung folgender Verse: „Sagt zu ihm die Frau: Herr, ich merke[,] daß ein Prophet [Prädikatsnomen] bist [Verb] du [Subjekt]“ (Joh. 4:19). „Sagte deshalb zu ihm — Pilatus: Nicht wirklich ein König [Prädikatsnomen] bist [Verb] du [Subjekt]? Antwortete — Jesus: Du sagst[,] daß ein König [Prädikatsnomen] ich bin [Verb einschließlich Subjekt]“ (Joh. 18:37).

Hast du die Ausdrücke „ein Prophet“ und „ein König“ (zweimal) bemerkt? Es handelt sich dabei um artikellose Prädikatsnomina, die im Griechischen dem Verb vorausgehen. Der Übersetzer gibt sie jedoch mit dem unbestimmten Artikel „ein“ wieder. Solche Beispiele gibt es in deutschen Bibelübersetzungen viele. Zur weiteren Veranschaulichung mögen folgende Beispiele aus dem Johannesevangelium nach der Übersetzung von Hans Bruns dienen: „ein Teufel“ (6:70), „ein Sklave“ (8:34), „ein Mörder . . . ein Lügner“ (8:44), „ein Dieb“ (10:1), „ein Mietling“ (10:13) und „ein Verwandter“ (18:26).

Alfred Marshall begründet den Gebrauch des unbestimmten Artikels in seiner zwischenzeiligen Übersetzung der in den zwei vorangehenden Absätzen erwähnten Verse und in vielen anderen Fällen wie folgt: „Sein Gebrauch ist der persönlichen Entscheidung des Übersetzers überlassen. . . . Wir haben ,ein‘ als selbstverständlich eingefügt, wo es uns erforderlich erschien.“ Natürlich haben weder Colwell (wie oben erwähnt) noch Marshall es für erforderlich gehalten, in Johannes 1:1 das Wörtchen „ein“ vor „Gott“ zu setzen. Doch das ist nicht auf eine unumstößliche Grammatikregel zurückzuführen, sondern auf die „persönliche Entscheidung“, auf die Gelehrte und Übersetzer ein Recht haben. Das Neue-Welt-Bibelübersetzungskomitee hat sich an dieser Stelle für die Übersetzung „ein Gott“ entschiedena.

Gewisse Gelehrte weisen darauf hin, daß artikellose Prädikatsnomina, die dem Verb vorausgehen, im Griechischen eine Eigenschaft anzeigen könnten. Mit anderen Worten sie könnten den Charakter oder Zustand des Subjekts beschreiben. Daher geben einige Übersetzer Johannes 1:1 wie folgt wieder: „Das Wort war selbst göttlichen Wesens“ (Stage), „Und Gott (= göttlichen Wesens) war das Wort“ (Menge), „Was Gott war, das war das Wort auch“ (NT 68), „Er war bei Gott und in allem Gott gleich“ (Die Gute Nachricht).

Bedeutet, „göttlichen Wesens“ oder Gott gleich zu sein, daß Jesus Christus allmächtig und gleich ewig ist wie Gott, der Vater?

Zugegeben, daß die Verfechter der Dreieinigkeit der göttlichen Stellung Jesu besondere Bedeutung beimessen. Sie benutzen in diesem Zusammenhang sogar einen besonderen nichtbiblischen griechischen Ausdruck: homousios („Wesenseinheit“ oder „Wesensgleichheit“). Unter der Überschrift „Wesensgleichheit“ heißt es in der New Catholic Encyclopedia: „Die Wesensgleichheit, die vom Konzil zu Nizäa [325 u. Z.] definiert wurde, . . . bedeutet in der Hauptsache, daß der Sohn dem Vater gleich ist, so göttlich wie der Vater, von Seiner Substanz und von der gleichen Substanz mit Ihm. Daraus folgt notwendigerweise, daß der Sohn nicht zu dem Geschaffenen gehören kann . . . Wegen der absoluten Einzigkeit, Einheit und Einfachheit Gottes ist die Gleichheit der Substanz nicht nur spezifisch [wie bei den Menschen, die die menschliche Natur miteinander gemein haben], sondern absolut oder numerisch.“

Wo findet man aber in der Bibel eine solche Argumentation? Die Antwort ist einfach: Nirgends. Das geschriebene Wort Gottes enthält weder den Ausdruck homousios noch irgendwelche Anhaltspunkte für die Idee, die die Verfechter der Dreieinigkeit damit verbinden. Sie ist nichts anderes als eine Philosophie.

Widerspricht die Ansicht, daß Jesus Christus „ein Gott“ sei, der biblischen Lehre, daß es nur e i n e n Gott gibt? (1. Kor. 8:5, 6). Keineswegs. In den Hebräischen Schriften wird der Ausdruck ‘elohím, Gott, manchmal auf mächtige Geschöpfe angewandt. In Psalm 8:5 lesen wir zum Beispiel: „Auch gingst du daran, ihn [den Menschen] ein wenig geringer zu machen als Gottähnliche“ (hebräisch: ‘elohím; „einen Gott“, Pattloch-Bibel). Die Septuaginta gibt ‘elohím hier mit „Engel“ wieder. Jüdische Übersetzer dieser griechischen Übersetzung sahen in der Anwendung des für „Gott“ stehenden Ausdrucks auf erschaffene Geistpersonen keinen Widerspruch zum Monotheismus. (Vergleiche Hebräer 2:7, 9.) Ebensowenig sahen die Juden des ersten Jahrhunderts u. Z. in Psalm 82 einen Widerspruch zu ihrem Glauben an e i n e n Gott, obwohl in den Versen 1 und 2 dieses Psalms das Wort ‘elohím (theói, Plural von theós, Septuaginta) auf menschliche Richter angewandt wird. (Vergleiche Johannes 10:34-36.)

Nach der Bibel ist Jesus Christus „das Bild des unsichtbaren Gottes“ (Kol. 1:15). Die zu himmlischem Leben berufenen Christen dagegen hoffen, das Bild Christi in seiner Vollständigkeit zu tragen, wenn sie durch die himmlische Auferstehung Teilhaber an der „göttlichen Natur“ werden (2. Petr. 1:4; 1. Kor. 15:49; Phil. 3:21). Die geistige „neue Geburt“, die sie bereits während ihres irdischen Lebens erfahren, ist der erste Schritt dazu (1. Petr. 1:3, 4). Das bedeutet jedoch nicht, daß sie Gott gleich sein werden. Auch Jesu Teilhaberschaft an der „göttlichen Natur“ bedeutet das nicht für ihn.

Ein Bibeltext, der häufig falsch angewandt wird, ist Johannes 1:1. Gemäß der Einheitsübersetzung lautet er: „Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott [griechisch: ton theón], und das Wort war Gott [theós].“ In diesem Vers kommen zwei Formen des griechischen Nomens theós (Gott) vor. Dem ersten geht ton voraus, eine deklinierte Form des griechischen bestimmten Artikels, und hier bezieht sich theón auf den allmächtigen Gott. Bei dem zweiten Nomen theós fehlt allerdings der bestimmte Artikel. Ist er versehentlich weggelassen worden?

Das Johannesevangelium wurde in Koine, der griechischen Gemeinsprache, geschrieben, in der es spezielle Regeln zum Gebrauch des Artikels gab. Steht ein Artikel sowohl vor dem Subjekt als auch vor dem Prädikatsnomen, dann „sind beide bestimmt, sie sind als identisch, als ein und dasselbe zu behandeln und sie sind austauschbar“, so der Gräzist A. T. Robertson. Er verweist auf Matthäus 13:38, wo es heißt: „Das Feld [griechisch: ho agrós] ist die Welt [ho kósmos].“ Die Grammatik hilft zu erkennen, dass das Feld und die Welt identisch sind.

Was aber, wenn dem Subjekt ein bestimmter Artikel vorausgeht, dem Prädikatsnomen jedoch nicht — so wie in Johannes 1:1? „Bei einer solchen Konstruktion sind Subjekt und Prädikatsnomen nicht gleich, entsprechen einander nicht und sind auch sonst in keiner Weise identisch“, betont der Theologe James Allen Hewett, wobei er sich auf diesen Vers als Beispiel bezieht.

Hewett verdeutlicht das mit 1. Johannes 1:5, wo es heißt, dass „Gott Licht ist“. Für „Gott“ steht in Griechisch ho theós — ein Nomen mit einem bestimmten Artikel. phōs dagegen, das griechische Wort für „Licht“, hat keinen Artikel. Hewett kommt zu dem Schluss: „Man kann . . . Gott immer mit Licht beschreiben, aber man kann nicht immer sagen, Licht sei Gott.“ Ähnliche Beispiele findet man in Johannes 4:24: „Gott ist ein GEIST“ und in 1. Johannes 4:16: „Gott ist Liebe“. In beiden Versen steht vor dem Subjekt „Gott“ der bestimmte Artikel, vor den Prädikatsnomen „Geist“ und „Liebe“ hingegen nicht. Daher sind Subjekt und Prädikatsnomen nicht austauschbar. Diese Verse können nicht bedeuten: „Geist ist Gott“ oder „Liebe ist Gott“.

Die Identität des „Wortes“
Viele Gräzisten und Bibelübersetzer erkennen an, dass in Johannes 1:1 nicht die Identität, sondern eine Eigenschaft des „Logos“, des „Wortes“, herausgestellt wird. Der Bibelübersetzer William Barclay sagt: „Da aber vor theos kein bestimmter Artikel steht, wird theos zur Beschreibung . . . Johannes identifiziert hier nicht das Wort mit Gott. Sehr einfach ausgedrückt: Er sagt nicht, dass Jesus Gott war.“ Der Religionswissenschaftler Jason David BeDuhn äußert sich ähnlich: „Lässt man im Griechischen in einem Satz wie dem in Johannes 1:1c den Artikel vor theós weg, nimmt der Leser an, gemeint sei ‚ein Gott‘. . . . Durch sein Fehlen unterscheidet sich theós deutlich von ho theós“, genauso wie sich im Deutschen „ein Gott“ von „der Gott“ unterscheidet. Weiter sagt BeDuhn: „In Johannes 1:1 ist das WORT nicht der alleinige Gott, sondern ein Gott oder ein göttliches Wesen.“ Oder mit den Worten von Joseph Henry Thayer gesprochen, einem Theologen und Gelehrten, der an der American Standard Version mitwirkte: „Der Logos war göttlich, nicht das göttliche Wesen selbst.“

Im Jahre 1933 veröffentlichte er in der Zeitschrift Journal of Biblical Literature einen Artikel unter dem Titel „Eine feste Regel für den Gebrauch des Artikels im griechischen Neuen Testament“. Gegen Ende des Artikels behandelte er Johannes 1:1. Der letzte Teil dieses Verses lautet nach dem Griechischen buchstäblich: „UND GOTT WAR DAS WORT.“ Man beachte, daß vor „WORT“ der bestimmte Artikel „DAS“ steht, während vor „GOTT“ der bestimmte Artikel fehlt. Colwells Regel für Übersetzungen aus dem Griechischen lautet: „Bei einem bestimmten prädikativen Nominativ [zum Beispiel „GOTT“ in Johannes 1:1] steht, wenn er dem Verb folgt, der Artikel [„DER“]; geht er dem Verb voraus, so steht der Artikel nicht.“ Mit anderen Worten, wenn diese Regel immer zutrifft, dann hieße das, daß in Johannes 1:1 im Grundtext ein „DER“ vor „GOTT“ angedeutet wäre und demnach in neuzeitlichen Übersetzungen auch stehen sollte.

Colwells Regel scheint auf einige Stellen in der griechischen Bibel tatsächlich zuzutreffen. Er gibt aber selbst zu, daß sie nicht immer zutrifft, sondern daß es auch Ausnahmen gibt. (Siehe zum Beispiel eine zwischenzeilige Lesart von Lukas 20:33; 1. Korinther 9:1, 2.) Es scheint sogar so viele Ausnahmen zu geben, daß es, dreißig Jahre nachdem er seine Regel aufgestellt hat, in einem griechischen Grammatikbuch heißt, es könne sich dabei lediglich um eine „allgemeine Neigung“ handeln. Wie verhält es sich denn nun mit Johannes 1:1? Trifft die Regel in diesem Fall zu? Colwell sagt selbst: „Das Prädikat [„GOTT“] ... ist in dieser Stellung nur unbestimmt, wenn der Zusammenhang es verlangt.“ Es ist also keine unumstößliche „Regel“, sondern der Zusammenhang ist ausschlaggebend.

Trotz der Behauptungen einiger macht es Colwells „Regel“ an sich nicht „notwendig“, die eine Wiedergabe von Johannes 1:1 der anderen vorzuziehen. Wie ein Übersetzer Johannes 1:1 wiedergibt, hängt vielmehr davon ab, wie er die mit diesem Text verbundenen Verse, ja wie er die ganze übrige Bibel auslegt.

Darum sind die angeführten Kritiker in ihren Äußerungen auch so dogmatisch. Für sie ist Jesus Gott selbst. Einer von ihnen spricht von „Jesus Christus, der wahrer Gott und wahrer Mensch ist“. Ein anderer stellt fest: „Christus beanspruchte, Jehova gleich zu sein.“ Würden sie also, wenn vor die Wahl gestellt, Johannes 1:1 nicht bestimmt so übersetzen, daß ihre Ansichten gestützt würden?

Wer dagegen den unmißverständlichen Worten Jesu glaubt: „Der Vater ist größer als ich“, weiß, daß Jesus Jehova, dem Allmächtigen, nicht gleich ist. (Joh. 14:28) Das bedeutet aber nicht, daß Jesus in einem gewissen Sinne nicht als „Gott“ bezeichnet werden könnte. Lesen wir nicht in 2. Mose 4:16 (Luther), daß Jehova zu Moses sagte: „Du sollst sein [Aarons] Gott sein.“? Machte dies Moses zu Gott, dem Allmächtigen? Die Bezeichnung „Gott“ wird sogar auf den Teufel angewandt, da er ein mächtiges Geschöpf ist, das das bestehende System der Dinge beherrscht. (2. Kor. 4:4) Somit kann Jesus, der über die ganze übrige Schöpfung erhöht worden ist und dem sein Vater große Macht im Himmel und auf Erden verliehen hat, bestimmt mit Recht als „ein Gott“ bezeichnet werden. Mit dieser Wiedergabe wird Jesus die gebührende Würde und Achtung entgegengebracht, gleichzeitig aber vermieden, daß der Leser den Eindruck erhält, Jesus sei Gott, der Allmächtige, selbst.

Diese grammatische „Regel“ in Verbindung mit Johannes 1:1 ist nur eine von vielen Annahmen, auf die man sich beruft, um gewisse religiöse Ansichten zu stützen. Sie veranschaulicht aber gut, daß es in diesem Zusammenhang im Grunde genommen um mehr geht als um die Grammatik.

-(Von Josef Weber)-


"Und dies ist das Zeugnis: dass GOTT uns ewiges Leben gegeben hat, und dieses Leben ist in Seinem SOHN.
Wer den SOHN hat, hat das (wahre) Leben; wer den SOHN GOTTES nicht hat, hat das (wahre) Leben nicht.
"
1. Johannes 5:11,12.

 
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